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Myelin Oligodendrocyte Glycoprotein Antibody-Associated Disease
Was ist MOGAD?
Jeder kennt elektrische Leitungen: Sie sind mit einer Isolierung versehen, die die einzelne Leiter im Kablebündel von einander trennt, damit die Signale in ihnen einander nicht stören und unverfälscht von A nach B gelangen.
Das Rückenmark beinhaltet einen ganzen Strang vieler solcher Kabelbündel. Sie leiten die Nervensignale vom Gehirn zu den verschiednen Organen,Muskeln, Geweben, etc. im Körper. Während beim Kabel die Isolierung auf Kunststoffen, Textilien oder speziellen Materialien besteht, wird die Isolierschicht Myelinschicht.
Was geht bei MOGAD schief?
Bei MOGAD macht das eigene Immunsystem einen folgenreichen Fehler: Es produziert fälschlicherweise Antikörper gegen ein bestimmtes Eiweiß auf der Außenseite dieser Isolierschicht, das sog. MOG-Protein. Antikörper sind eigentlich die Wächter des Körpers, die Krankheitserreger wie Viren und Bakterien erkennen, markieren und vernichten. Bei MOGAD richten sie sich jedoch irrtümlich gegen gesundes, körpereigenes Gewebe, die Isolierung der eigenen Nervenfasern.
Verglichen mit einem Kabel ist das so, als würde man die Isolierung anritzen, anschleifen, verätzen, wodurch sie löchrig wird und die elektrischen Signale nicht mehr sauber odr auch gar nicht mehr an ihrem Bestimmungsort ankommen..
Wo im Körper passiert das?
MOGAD betrifft ausschließlich das zentrale Nervensystem, also Gehirn, Rückenmark und Sehnerven. Je nachdem, welcher Bereich angegriffen wird, entstehen unterschiedliche Beschwerden:
- Sehnerv – Plötzlicher Sehverlust, verschwommenes Sehen, Augenschmerzen (oft nur auf einem Auge, manchmal auf beiden gleichzeitig, – das ist bei MOGAD häufiger als bei anderen ähnlichen Erkrankungen)
- Rückenmark – Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Probleme beim Wasserlassen
- Gehirn : Verwirrtheit, epileptische Anfälle, Koordinationsstörungen
Wie verläuft die Erkrankung?
MOGAD verläuft typischerweise in Schüben. Es gibt Phasen, in denen die Entzündung aktiv ist und Beschwerden auftreten, intermittierend mit ruhigeren Phasen dazwischen.
Nach einem Schub erholen sich viele Patienten erstaunlich gut, besser als bei z.B. MS. Das liegt daran, dass die Nervenfasern selbst oft seltener dauerhaft beschädigt werden als die Isolierschicht, die sich teilweise regenerieren kann.
Etwa die Hälfte der Betroffenen erlebt nur einen einzigen Schub im Leben. Die andere Hälfte hat wiederkehrende Schübe, die ohne Behandlung zu bleibenden Beeinträchtigungen führen können.
Wie häufig ist MOGAD?
MOGAD ist selten , nur schätzungsweise 1–2 von 100.000 Menschen erkranken. Anders als viele andere Autoimmunerkrankungen des Nervensystems trifft es Frauen und Männer etwa gleich häufig. Auch Kinder können erkranken, bei ihnen äußert sich die Erkrankung oft als ausgedehnte Gehirnentzündung mit Verwirrung und Fieber.
Was löst MOGAD aus?
Häufig geht dem ersten Schub eine Infektion voraus. Der Körper kämpft gegen einen Erreger und verwechselt dabei irrtümlich körpereigene Strukturen mit dem Feind. Das Immunsystem lernt sozusagen, die falsche Zielscheibe anzugreifen und hört damit nicht auf. Die genaue Ursache ist aktuell noch nicht vollständig geklärt.
Wie wird MOGAD behandelt?
Es gibt bislang kein speziell zugelassenes Medikament für MOGAD. Einen akuten Schub behandelt man mit hochdosierten Kortison-Infusionen, die die Entzündung rasch dämpfen. Reicht dies nicht aus, kann mittels Blutwäsche (Plasmapherese) der schädliche Antikörper direkt aus dem Blut entfernt werden.
Zur Vorbeugung weiterer Schübe werden verschiedene Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem beruhigen, zum Beispiel mit Substanzen, die die Antikörper-produzierenden Zellen reduzieren. Mehrere neue, gezielter wirkende Medikamente werden aktuell in klinischen Studien erprobt und könnten in den nächsten Jahren zur Zulassung kommen.
Wissenschaftliche Einleitung und Definition
Die MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung (MOGAD) englisch: Myelin Oligodendrocyte Glycoprotein Antibody-Associated Disease ist eine seltene, entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die seit 2018 als eigenständige Entität mit eigenen Diagnosekriterien anerkannt ist. Sie galt zuvor als Variante der Multiplen Sklerose (MS) oder der Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD).
Kernelement der Erkrankung ist die pathologische Produktion von Autoantikörpern (IgG) gegen das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG), ein Transmembranprotein auf der äußersten Schicht der Myelinscheide von Oligodendrozyten im ZNS. Diese Antikörper schädigen Myelinscheiden und führen zu einer charakteristischen perivenulären Demyelinisierung.
Klinisch manifestiert sich MOGAD hauptsächlich durch Optikusneuritis, transverse Myelitis und akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM). Die Erkrankung verläuft meist schubförmig und betrifft Sehnerv, Rückenmark und, seltener, das Gehirn. Das mediane Erkrankungsalter liegt zwischen 30 und 35 Jahren; im Gegensatz zur NMOSD sind Frauen und Männer annähernd gleich häufig betroffen.
Abgrenzung von MOGAD, NMOSD und MS
| Merkmal | MOGAD | AQP4+ NMOSD | Multiple Sklerose |
| Zielantigen | MOG (Oligodendrozyten) | Aquaporin-4 (Astrozyten) | Kein spez. Autoantikörper |
| Antikörper-Isotyp | IgG1 (vorw.) | IgG1 (vorw.) | Oligoklonale IgG (CSF) |
| Primäre Zellschädigung | Oligodendrozyten/Myelin | Astrozyten (primär) | Oligodendrozyten |
| Histologie | Perivenuläre Demyelinisierung, CD4+ | Astrozytenläsionen, Granulozyten | Periaxiale Plaques |
| Geschlecht (F:M) | ~1:1 | ~9:1 | ~3:1 |
| Komplementaktivierung | Mäßig (weniger MAC) | Stark (MAC-Bildung) | Gering |
| OKB im Liquor | Selten (<10%) | Gelegentlich | Häufig (>90%) |
| Verlauf | Schubförmig; oft gut erholt | Schubförmig; akkumuliert Behinderung | Oft progedient |
| Zugelassene Therapien | Keine (Stand 2026) | Eculizumab, Ublituximab, Satralizumab | Viele DMTs |
MOG-Protein – Struktur und physiologische Funktion
MOG (Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein) ist ein Typ-I-Transmembranprotein mit einer Gesamtlänge von 218 Aminosäuren, das ausschließlich im ZNS exprimiert wird. Es ist ein Mitglied der Immunglobulin-Superfamilie und stellt mit einem Anteil von etwa 0,01–0,05 % des gesamten Myelinproteins einen quantitativ geringen, immunologisch jedoch hochrelevanten Bestandteil der Myelinscheide dar.
Strukturdomänen
- Extrazelluläre Ig-V-like-Domäne (AS 1–120): Einzige exponierte Domäne, sehr immunogen; enthält die kritische CC‘-Loop-Region (Pro42, His103, Ser104) als wichtigste Epitop-Bindungsstelle für MOG-IgG
- Single-pass Transmembranhelix: Verankert das Protein in der Myelinmembran
- Kurze zytoplasmatische C-terminale Domäne: Interagiert möglicherweise mit dem Zytoskelett
Physiologische Funktionen
- Adhäsionsmolekül: Vermittelt strukturelle Integrität der Myelinscheide, möglicherweise durch Kompaktierung der Myelinlamellen
- Interaktion mit C1q des Komplementsystems (physiologisch)
- Interaktion mit Nervenwachstumsfaktor (NGF)
- Rezeptor für Rubella-Virus (klinisch relevant für post-infektiöse ADEM)
- Stabilisierung von Mikrotubuli in Oligodendrozyten
- Expression: Spät in der Oligodendrozytendifferenzierung; erst nach der initialen Myelinisierung
MOG-IgG-Autoantikörper erkennen primär Konformationsepitope der extrazellulären Domäne. Da MOG an der äußersten Oberfläche der Myelinscheide exponiert ist, ist es direkt für zirkulierende Antikörper und Immunkomplexe zugänglich – ein entscheidender Unterschied zu intrazellulären Antigenen.
Pathogenese und Immunpathologie
Die MOGAD-Pathogenese ist ein multistep-Prozess, der periphere Immunaktivierung, Migration durch die Blut-Hirn-Schranke (BHS) und ZNS-lokale Effektormechanismen umfasst. Weder T-Zellen noch B-Zellen allein sind hinreichend pathogen, es ist die synergistische Interaktion beider Arme des adaptiven Immunsystems, die die Erkrankung verursacht.
Trigger und initiale Aktivierung
Als initiale Trigger werden vor allem Infektionen diskutiert: Bei 37–70 % der MOGAD-Patienten ist ein infektiöser Prodromus dokumentiert (häufiger als bei NMOSD mit 15–35 %). Die Mechanismen umfassen:
- Molekulare Mimikry – Pathogen-Epitope ähneln strukturell der CC‘-Loop-Region des MOG, z. B. SARS-CoV-2-Sequenzen oder Rubellaviren
- Bystander-Aktivierung – Unspezifische Entzündungsreaktion aktiviert ruhende autoreaktive Lymphozyten
- Polyklonale B-Zell-Aktivierung durch mikrobielle Superantigene
Genetische Disposition spielt eine Rolle, spezifische Risiko-Haplotypen sind jedoch nicht abschließend identifiziert. Im Gegensatz zu MS wurden keine konsistenten HLA-Assoziationen beschrieben.
T-Zell-vermittelte Pathogenese
MOG-spezifische CD4+-T-Zellen sind unverzichtbar für die MOGAD-Pathogenese. In Tiermodellen (EAE) sind Antikörper allein nicht pathogen, sie benötigen zwingend enzephalitogene T-Zellen als Co-Effektoren. Der CD4+-Pfad umfasst mehrere Phasen:
Phase 1 – Periphere Aktivierung
MOG-Peptide werden von antigenpräsentierenden Zellen (APC) über MHC-II-Moleküle an naïve CD4+-T-Zellen präsentiert. Beachtenswert: MOG-Peptide können direkt an periphere MHC-II-Moleküle binden, ohne weitere Prozessierung. Dies könnte die Beteiligung des peripheren Nervensystems erklären.
Effektorzellsubsets, die unabhängig voneinander EAE induzieren können, sind Th1, Th17 und Th9. Für die MOGAD sind Th17-Zellen besonders relevant, da Th17-Zytokine (IL-17, IL-21) in Schubepisoden markant erhöht sind.
Phase 2 – BHS-Penetration
Aktivierte CD4+-T-Zellen exprimieren spezifische Adhäsionsmoleküle (Integrine, Selektine) und Chemokinrezeptoren (insbesondere CCR6), die ihnen den Eintritt ins ZNS ermöglichen. CCR6+ Th17-Zellen binden an CCL20, das konstitutiv im Plexus choroideus exprimiert wird, und dringen darüber in den Subarachnoidalraum ein.
- Matrix-Metalloproteinasen (MMP-2, MMP-9)
Abbau der Basalmembran der BHS - Neutrophile NETs (Neutrophil Extracellular Traps)
Liefern kostimulatorische Signale für T-Zellen in der Initiationsphase - Thrombozyten
Fördern CD4+-T-Zell-Proliferation und Differenzierung zu Th1/Th17 durch Zytokine und Adhäsionsmoleküle
Phase 3 – Perivaskuläre Reaktivierung
Im perivaskulären Raum und Subarachnoidalraum werden MOG-spezifische T-Zellen durch lokale MOG-beladene APCs (Mikroglia, dendritische Zellen) reaktiviert. Diese Reaktivierung löst die eigentliche Entzündungskaskade aus: Sekretion proinflammatorischer Zytokine, Rekrutierung weiterer Leukozyten und Oligodendrozytenschädigung.
B-Zell- und Antikörper-vermittelte Pathogenese
MOG-spezifische B-Zellen und Plasmazellen sind die Hauptproduzenten der pathogenen IgG1-Autoantikörper. Die B-Zell-Rolle geht jedoch über die Antikörperproduktion hinaus:
- Antigenpräsentation – B-Zellen können über ihren BCR MOG-Konformationsepitope binden (pro42, his103, ser104 der CC‘-Loop) und als APCs für T-Zellen fungieren
- Förderung der Th17-Differenzierung – B-Zellen sezernieren IL-6, das zusammen mit TGF-β die Th17-Differenzierung antreibt
- MAPK- und AKT-Signalaktivierung – BCR-Bindung an MOG aktiviert diese Signalwege intrazellulär
- Erhöhung des intrazellulären Calcium – Führt zur Aktivierung stressassoziierter Signalkaskaden
Die meisten MOG-IgG-Antikörper entstehen in der Peripherie (oligoklonale Bänder im Liquor nur in ~10 % der Fälle, zum Vergleich: MS ~90 %). Die Antikörper sind bivalent-bindend an MOG, beide Fab-Arme binden gleichzeitig an zwei benachbarte MOG-Moleküle. Dies führt zu einer weniger effizienten C1q-Rekrutierung im Vergleich zur monovalenten Bindung der AQP4-IgG bei NMOSD.
Molekulare Signalwege und Effektormechanismen
Signalweg 1 – Klassischer Komplementweg (CDC)
Wenn MOG-IgG1 (und MOG-IgG3) an Oligodendrozyten-MOG binden, kann der klassische Komplementweg aktiviert werden. Allerdings ist die Komplementaktivierung in MOGAD schwächer als bei AQP4+ NMOSD:
- C1q-Bindung an den Fc-Teil gebundener IgG1-Antikörper → Aktivierung von C1r und C1s
- Spaltung von C4 → C4a + C4b; C4b + C2 → C3-Konvertase (C4b2a)
- Spaltung von C3 → C3a (Anaphylatoxin) + C3b (Opsonin)
- C3b → C5-Konvertase → Spaltung von C5 → C5a (potentes Anaphylatoxin) + C5b
- C5b + C6, C7, C8, C9 → Membran-Angriffskomplex (MAC, C5b-9): Direkte Lyse der Oligodendrozyten
Wichtig: Im CSF von MOGAD-Patienten sind C3a und C5a signifikant erhöht (vergleichbar mit AQP4+ NMOSD), jedoch ist der MAC-Komplex (C5b-9) deutlich niedriger als bei NMOSD. Dies liegt an der bivalenten IgG-Bindung, die weniger effizient für C1q-Clustering ist, und an der relativ geringen Dichte von Komplementregulatoren auf Oligodendrozyten (weniger CR1, MCP, HRF als auf anderen Zelltypen).
Signalweg 2 – Fcγ-Rezeptor-Weg (FcR-vermittelt)
LMU-Forschungen (Mader, Kawakami, Meinl, 2024 PNAS) zeigten, dass Fcγ-Rezeptor (FcγR)-vermittelte Mechanismen zu etwa 50 % der Myelinschädigung beitragen und damit gleichrangig mit der Komplementaktivierung sind:
- FcγRIII (CD16) auf NK-Zellen und Makrophagen
Bindet den Fc-Teil von MOG-gebundenem IgG1 → ADCC (Antikörper-abhängige zelluläre Zytotoxizität) - FcγRI/II/III auf Makrophagen und Monozyten
Phagozytose von MOG-opsonisierten Oligodendrozytenfragmenten (ADCP) - Entscheidend: Der zweite FcR-Pathomechanismus
Verstärkung der T-Zell-Aktivierun, läuft ausschließlich über Fc-Rezeptoren, NICHT über den Komplementweg - FcγR auf dendritischen Zellen
Erleichtern die Prozessierung und Präsentation von MOG-IgG-beladenen Oligodendrozytenantigenen an MOG-spezifische T-Zellen
Klinische Implikation: Da zwei unabhängige pathogene Wege existieren, müssen therapeutische Ansätze beide Mechanismen adressieren, um maximale Wirksamkeit zu erzielen.
Signalweg 3 – IL-6/JAK-STAT3-Weg
IL-6 ist ein zentraler Mediator der MOGAD-Immunpathogenese und wirkt auf mehreren Ebenen:
IL-6 bindet an seinen Rezeptor (IL-6Rα/gp130-Komplex), was zur JAK1/2-Phosphorylierung führt. Dies aktiviert primär STAT3, das als Transkriptionsfaktor dient für:
- Th17-Differenzierung
IL-6 + TGF-β → RORγt-Expression → IL-17A/F-Produktion; IL-6 + IL-23 → Aufrechterhaltung des Th17-Phänotyps - Folikuläre T-Helferzellen (Tfh)
IL-6 → STAT3 → Bcl6-Expression → Keimzentrum-B-Zell-Reifung und IgG-Klassenwechsel - B-Zell-Reifung zu Plasmazellen
IL-6 fördert die Differenzierung über STAT3/Blimp-1-Achse - Suppression von Treg-Funktion
IL-6 hemmt FoxP3-Expression, was das Treg/Th17-Gleichgewicht in Richtung Entzündung verschiebt
Therapeutische Relevanz: IL-6-Blockade (z.B. Tocilizumab, Satralizumab) durchbricht diesen Kreislauf. Satralizumab (Anti-IL-6R) wird aktuell in der Phase-3-Studie METEOROID für MOGAD untersucht.
Signalweg 4 – MAPK- und AKT-Signalwege (B-Zellen)
BCR-Bindung an MOG-Konformationsepitope aktiviert in B-Zellen:
- MAPK-Weg (MEK/ERK)
Förderung von B-Zell-Proliferation und Differenzierung - PI3K/AKT-Weg
Zellüberleben und Differenzierung von B-Zellen zu Plasmazellen - Calcium-Influx
Aktivierung von Calcineurin/NFAT-Achse → Zytokinproduktion - NK-Zell-Aktivierung
BCR-MOG-Bindung induziert NK-Zell-vermittelte Zytotoxizität
Signalweg 5 – Th17-Zytokin-Netzwerk im ZNS
Im ZNS unterhalten Th17-Zellen eine Entzündungsumgebung durch multiple Mediatoren:
- IL-17A und IL-17F
Aktivieren Astrozyten und Mikroglia; induzieren Freisetzung von Chemokinen (CXCL-1/5/8), die Neutrophile rekrutieren - IL-21 (auto- und parakrin)
Verstärkt Th17-Differenzierung; fördert B-Zell-Differenzierung und IgG-Klassenwechsel (besonders IgG1) - IL-22
Dysregulation der BHS-Integrität - GM-CSF (via IL-23)
Aktiviert Mikroglia und Makrophagen, verstärkt lokale Demyelinisierung - CXCL13
Chemotaxis von B-Zellen in perivaskuläre Räume → lokale Antikörperproduktion
Signalwege – Übersicht
| Signalweg | Schlüsselmoleküle | Effekt | Therapeutische Angriffspunkte |
| Klassischer Komplementweg | C1q, C3, C5, MAC (C5b-9) | Direkte Oligodendrozytenlyse | C5-Inhibitoren (Eculizumab), C3-Inhibitoren |
| FcγR-Weg (ADCC/ADCP) | FcγRI/II/III, NK-Zellen, Makrophagen | Zytotoxizität, Phagozytose, T-Zell-Potenzierung | FcRn-Inhibitoren (IgG-Abbau), FcR-Blockade |
| IL-6/JAK-STAT3 | IL-6, IL-6Rα, gp130, JAK1/2, STAT3, RORγt | Th17-Differenzierung, B-Zell-Reifung, IgG-Produktion | Anti-IL-6R (Tocilizumab, Satralizumab) |
| PI3K/AKT/MAPK (B-Zellen) | BTK, PI3K, AKT, ERK, NFAT | B-Zell-Aktivierung, Plasmazellreifung | BTK-Inhibitoren (Ibrutinib, Tolebrutinib) |
| Th17-Zytokin-Netz | IL-17, IL-21, IL-22, GM-CSF, CXCL13 | BHS-Schaden, Leukozyten-Recruitment, Demyelinisierung | Anti-IL-17, Anti-IL-21 |
| FcRn-IgG-Recycling | FcRn (neonatal Fc receptor) | Verlängerte IgG-Halbwertszeit | Anti-FcRn (Rozanolixizumab) |
Relevante Rezeptoren und Zielmoleküle
MOG selbst als Zielstruktur (kein klassischer Rezeptor)
Das MOG-Protein fungiert in MOGAD als Antigen, nicht als Signalrezeptor. Dennoch sind folgende Wechselwirkungen pathophysiologisch bedeutsam:
- C1q-Bindung
MOG kann physiologisch C1q binden, was bei pathologischer Antikörperbedeckung zur Komplementaktivierung führt - DC-SIGN (CD209)
Lektinrezeptor auf dendritischen Zellen; kann MOG binden und zur Antigenpräsentation beitragen - Rubella-Virus-Rezeptor_
MOG dient als Eintrittsmolekül für Rubella-Viren, was die post-infektiöse ADEM bei Kindern erklären könnte
Fcγ-Rezeptoren (FcγR)
Fcγ-Rezeptoren auf Immunzellen sind zentrale Effektoren des IgG1-vermittelten Schadens:
- FcγRI (CD64)
Hochaffin, auf Makrophagen und dendritischen Zellen; Vermittlung von ADCP und Antigenpräsentation - FcγRIII (CD16)
Niedrigaffin, auf NK-Zellen; Hauptmediator der ADCC gegen MOG-opsonisierte Oligodendrozyten - FcγRIIA/B (CD32A/B)
Aktivierend bzw. hemmend; Modulierung der B-Zell-Aktivierung und Phagozytose
Neonataler Fc-Rezeptor (FcRn)
FcRn (β2m/FcRn-α-Komplex) ist verantwortlich für die intrazelluläre Recyclierung von IgG-Antikörpern. Es bindet IgG in angesäuerten Endosomen (pH 6,0) und verhindert dessen lysosomalen Abbau, wodurch die IgG-Halbwertszeit auf ca. 21 Tage verlängert wird.
- In MOGAD bewirkt FcRn die persistierende Zirkulation pathogener MOG-IgG1
- Therapeutische Blockade durch Rozanolixizumab (Anti-FcRn IgG4): Erzwingt lysosomalen IgG-Abbau und senkt Plasma-IgG um ~50%
- FcRn-Expression – Epithelzellen, Endothelzellen, Monozyten, Hepatozyten
IL-6-Rezeptor (IL-6Rα / gp130)
Der IL-6-Rezeptor besteht aus der ligandenbindenden α-Untereinheit (IL-6Rα, CD126) und dem Signaltransduktions-Co-Rezeptor gp130 (IL-6Rβ, CD130). Zwei Signalmodi:
- Klassische Signalgebung
Membrangebundener IL-6Rα auf T-Zellen, B-Zellen, Monozyten → IL-6/IL-6Rα/gp130-Komplex → JAK1/2 → STAT3, STAT1, MAPK, PI3K/AKT - Trans-Signalgebung
Lösliches IL-6Rα (sIL-6R) bindet IL-6 und aktiviert gp130 auch auf Zellen ohne membrangebundenen IL-6Rα (z.B. Endothelzellen der BHS)
Relevante Downstream-Effekte: RORγt-Expression (Th17), Bcl-6 (Tfh und Keimzentren), Blimp-1 (Plasmazellen), Unterdrückung von FoxP3 (Treg).
T-Zell-Rezeptor (TCR) und Kostimulationsmoleküle
- TCR/MHC-II-MOG-Peptid-Komplex
Zentrale Aktivierungsachse für MOG-spezifische CD4+-T-Zellen - CD28/B7
Kostimulation bei der T-Zell-Aktivierung - CCR6/CCL20-Achse
CCR6 auf Th17-Zellen bindet CCL20 am Plexus choroideus → ZNS-Eintritt - CXCR3/CXCL10
Chemotaxis von Th1-Zellen in Entzündungsareale
Komplementrezeptoren
- C1qR
Vermittelt C1q-Bindung an Immunkomplexe auf Oligodendrozytenmembranen - C3aR und C5aR1 (CD88)
Anaphylatoxin-Rezeptoren auf Mikroglia/Makrophagen → Proinflammatorische Aktivierung - Komplementregulatoren auf Oligodendrozyten
CR1 (CD35), MCP (CD46), HRF (CD59) sind auf Oligodendrozyten gering exprimiert, was diese anfälliger für Komplementschäden macht als z.B. Astrozyten
Histopathologie und ZNS-Läsionsmuster
MOGAD-Läsionen unterscheiden sich histopathologisch fundamental von MS und NMOSD:
- Perivenöse Demyelinisierung
Läsionen formieren sich konzentrisch um kleine Venen (perivenöses Muster), nicht periaxial wie bei MS. In der MRT fehlt das typische ‚Central Vein Sign‘ der MS - CD4+-T-Zell-Infiltrat
Dominantes Entzündungszellbild sind CD4+-T-Zellen und Makrophagen, weniger Neutrophile und kaum eosinophile Granulozyten (anders als AQP4+ NMOSD) - Oligodendrozytenschaden (primär)
Im Gegensatz zur NMOSD, wo primär Astrozyten geschädigt werden, steht bei MOGAD die Oligodendrozyten-Degeneration im Vordergrund - C9neo-Deposition
Nachweis des MAC (terminal complement complex) in Läsionen, wenngleich schwächer als bei NMOSD - Relative Axonerhaltung
Bei akutem Schub ist der Axonschaden oft geringer als bei MS, was die oft gute klinische Erholung erklärt - Kortikale Läsionen
Leptomeningeale Entzündung und kortikale Demyelinisierung (häufig bei der ADEM-Variante)
Klinische Manifestationen und Phänotypen
MOGAD präsentiert sich klinisch heterogen. Wichtige Phänotypen:
| Phänotyp | Häufigkeit | Klinische Merkmale | MRT-Besonderheiten |
| Optikusneuritis (ON) | Häufigste (ca. 50%) | Oft bilateral, Sehverlust, retrobulbär, schmerzh. Augenbewegungen | Langer Sehnervbefall, perinerväre Kontrastmittelanreicherung |
| Transverse Myelitis | Ca. 30% | Längsstreckige Myelitis (LETM), sensibel/motorisch, Blasenstörungen | Längsstreckige T2-Läsionen, H2-Syndrom (‚linsen-förmig‘) |
| ADEM | Häufigste Manifestation bei Kindern | Enzephalopathie, polyfokale neurolog. Defizite | Bilaterale, großvolumige T2-Läsionen, auch Basalganglien |
| Hirnstammenzephalitis | Ca. 15% | Diplopie, Ataxie, Area-postrema-Syndrom (Hiccup, Erbrechen) | Hirnstamm-/Kleinhirn-T2-Läsionen |
| Kortikale Enzephalitis | Seltener | Epileptische Anfälle, Confusion | Kortikale FLAIR-Signalveränderungen |
| CRION | Seltener | Chron.-rezidiv. inflam. Optikusneuropathie | Persistierender Sehnervbefall |
Diagnostik
Diagnosekriterien (Banwell et al., Lancet Neurology 2023) erfordern:
(1) Nachweis von MOG-IgG im Serum oder Liquor mittels Cell-Based Assay (CBA)
(2) passenden klinischen Phänotyp
(3) Ausschluss alternativer Diagnosen.
- Zellbasierter Immunfluoreszenztest (CBA)
mit natürlich gefaltetem, membrangebundenem MOG (HEK293-Zellen transfiziert mit humanem MOG); detektiert konformationsabhängige Epitope - ELISA und Linien-/Streifenblots
Unzuverlässig für MOGAD, da lineare Epitope erkannt werden - IgG-Subklassen
Primär IgG1; gelegentlich IgG2, IgG3, IgG4. Ausschließliche IgG3-Positivität ist diagnostische Falle (Jarius 2024) - Titerkinetik
Persistent hohe Titer korrelieren mit Relapsrisiko; bei monophasischem Verlauf oft abfallend - Liquor
Pleozytose möglich; oligoklonale Bänder selten (<10 %), intrathecale IgG-Synthese selten - Biomarker
sNfL (serum Neurofilament Light Chain) als Krankheitsaktivitätsmarker; sGFAP (Glial Fibrillary Acidic Protein) als Marker astrozytärer Beteiligung
Therapeutische Strategien
Akuttherapie (Schubbehandlung)
Standardbehandlung eines MOGAD-Schubs:
- Hochdosiertes Methylprednisolon (HDMP)
1000 mg i.v. täglich für 5 Tage – Erstlinie - Plasmapherese / Immunadsorption
Bei unzureichendem HDMP-Ansprechen; entfernt MOG-IgG aus dem Plasma; 5–7 Zyklen (retrospektive Daten zeigen Wirksamkeit in ca. 50–70% der Fälle) - Intravenöse Immunglobuline (IVIG)
2 g/kg über 5 Tage; bei fehlendem Ansprechen auf HDMP und als Option nach Plasmapherese; möglicherweise über FcRn-Sättigung und FcγR-Kompetition wirksam - Kortikosteroide ausschleichen
Besonders wichtig bei MOGAD (häufige Steroid-Abhängigkeit) – rasche Reduktion kann Rebound-Schubereignisse auslösen
Prophylaktische Langzeittherapie
(Off-Label, kein zugelassenes Präparat – Stand 2026)
Die Indikation zur Langzeittherapie ist individuell – nicht alle Patienten benötigen sie. Faktoren: Relapsrate, Schwere der Schübe, persistente MOG-IgG-Titer, phänotypische Risikofaktoren.
| Substanz | Wirkmechanismus | Datenlage | Evidenzgrad |
| Azathioprin | Purinsyntheseblockade (TPMT-abhängig); hemmt T- und B-Zell-Proliferation | Retrospektive Studien; nationale RCT läuft (Frankreich, TOMATO-Studie) | IIb-III (off-label) |
| Mycophenolatmofetil (MMF) | Inosinmonophosphat-Dehydrogenase-Inhibitor; hemmt Lymphozyten-Proliferation | Fallserien; möglicherweise wirksam, geringere Relapsprävention als Rituximab | III (off-label) |
| Rituximab | Anti-CD20 → B-Zell-Depletion; hemmt MOG-IgG-Produktion | Größte retrospektive Kohorte; effektiv, nicht bei allen; erhöhtes Infektionsrisiko | IIb (off-label) |
| Tocilizumab | Anti-IL-6Rα (iv); blockiert IL-6-Signalweg (JAK/STAT3); hemmt Th17/Plasmazellen | Positive retrospektive Daten; RCT-Ergebnisse für NMOSD positiv (TANGO) | IIb (off-label) |
| IVIG (iv/subkutan) | Fc-Rezeptor-Sättigung; MOG-IgG-Neutralisierung; FcRn-Sättigung | Retrospektive Daten positiv; Option bei Kinderwunsch, Schwangerschaft, Infektion | IIb (off-label) |
Klinische Studien – 2024–2026
Erstmals laufen mehrere randomisierte, plazebo-kontrollierte Phase-3-Studien für MOGAD, die Klasse-I-Evidenz liefern sollen:
| Studie | Substanz | Mechanismus | Zielgruppe | Status |
| cosMOG | Rozanolixizumab (UCB7665) | Anti-FcRn IgG4-mAb: blockiert IgG-Recycling → beschleunigt IgG-Abbau, senkt MOG-IgG-Titer ~50 % | Erwachsene (≥18 Jahre), relapsierend, ≥1 Relaps/12 Monate | Phase 3, international; erste MOGAD-Phase-3-Studie überhaupt |
| METEOROID | Satralizumab (Anti-IL-6R sc.) | Anti-IL-6R (subkutan); hemmt JAK/STAT3 → Th17-Differenzierung, B-Zell-Reifung, IgG-Produktion | Erwachsene + Jugendliche (≥12 J.); relapsierend, ≥1 Relaps vorausgehend | Phase 3, international, laufend |
| TOMATO | Azathioprin | Purinsynthese-Hemmung; breit immunsuppressiv | Franösische Multicenterstudie; Erwachsene mit MOGAD | Nationale RCT, Phase 3 |
| MOGwAI | Nicht spezifiziert (Observationell) | Biomarker-Studie: Validierung MOG-IgG-Titer, sNfL, sGFAP, sCD83 als Verlaufsmarker | Internationale Kohortenstudie | Laufend |
Neue und zukünftige Therapiekonzepte
Basierend auf den molekularen Erkenntnissen der letzten Jahre werden folgende Ansätze für MOGAD diskutiert:
BTK-Inhibitoren (Bruton-Tyrosin-Kinase)
BTK ist eine zentrale Kinase in der B-Zell-Rezeptor-Signalkaskade (PI3K/AKT/MAPK). Tolebrutinib und andere BTK-Inhibitoren sind in der MS- und NMOSD-Forschung; für MOGAD steht klinische Erprobung aus. Orale Applikation wäre ein Vorteil. Hemmung sowohl von B-Zell-Aktivierung als auch myeloider Zellen (Mikroglia-BTK).
Toleranzinduktion (MOG-Tolerisierung)
Antigenspezifische Toleranzinduktion (z.B. über MOG-Peptide oder nanopartikelbasierte Ansätze) ist ein vielversprechendes Konzept. Die Guthy-Jackson Charitable Foundation fördert Forschung zu kurativen Ansätzen. Vorteil: Keine globale Immunsuppression, selektive Elimination der MOG-Autoreaktivität.
Komplementinhibitoren
Da Komplementaktivierung (C3a, C5a, MAC) in MOGAD-Läsionen nachweisbar ist, wäre Eculizumab (Anti-C5) oder ein C3-Inhibitor theoretisch wirksam. Da der MAC-Komplex (C5b-9) bei MOGAD jedoch deutlich schwächer gebildet wird als bei NMOSD (wo Eculizumab zugelassen ist), ist die klinische Relevanz unsicher.
Anti-Neonatal-Fc-Rezeptor-Strategien
Neben Rozanolixizumab wird auch Efgartigimod (ein IgG-Fc-Fragment, das FcRn kompetitiv blockiert) für andere IgG-vermittelte Erkrankungen untersucht. Da der Pathomechanismus der FcRn-Blockade direkt den MOG-IgG-Spiegel senkt, ist dies ein besonders zielorientierter Ansatz.
Autologe hämatopoetische Stammzelltransplantation (aHSCT)
Für schwere, therapierefrakтäre Verläufe ist aHSCT ein potentiell kuratives Konzept: Tiefe Immunablation und Neukonstituierung des Immunsystems könnte die autoreaktive T- und B-Zell-Klone eliminieren. Datenlage für MOGAD sehr begrenzt; Einsatz nur in spezialisierten Zentren.
Biomarker und Verlaufsmonitoring
Biomarkergestützte Therapieentscheidungen sind das Ziel der aktuellen Forschung:
- MOG-IgG-Titer (Serum)
Persistenz korreliert mit Relapsrisiko; in monophasischem Verlauf oft spontaner Titerabfall; Therapieentscheidung mitbestimmend - Serum-Neurofilament-Light (sNfL)
Marker für axonalen Schaden; erhöht bei Schub; Normalisierung als Therapie-Response-Marker - Serum-GFAP (sGFAP)
Astrozytäre Aktivierung; in MOGAD niedriger als bei NMOSD; kann komplementäre Information liefern - sCD83
Neuer Kandidatenbiomarker (in Validierung); möglicherweise Marker für dendritische Zell-Aktivierung und Immunaktivität - Liquor-Zellbild und Protein
Pleozytose bei Schubepisoden; Normalisierung nach Therapie
Prognose und Besonderheiten
MOGAD zeigt im Vergleich zu AQP4+ NMOSD tendenziell eine günstigere Prognose, insbesondere bessere visuelle Erholung nach ON. Allerdings sind folgende Aspekte wichtig:
- Monophasischer Verlauf
Ca. 50% der Patienten; oft spontaner Titerabfall; keine Langzeittherapie ggf. erforderlich - Schubförmiger Verlauf
Ca. 50%; höherer Titer persistiert; kumulativer Behinderungsaufbau möglich, aber langsamer als NMOSD - Kein progredienter Verlauf
Im Gegensatz zu MS wurde kein schleichendes Fortschreiten ohne Schübe beschrieben - Steroid-Sensitivität und Steroid-Abhängigkeit
Viele Patienten sprechen sehr gut auf Kortikosteroide an, jedoch: rasches Ausschleichen löst häufig Rückfälle aus - Pädiatrische Besonderheit
ADEM häufigste Erstmanifestation bei Kindern (<10 Jahre); Prognose oft gut, aber Rezidivrisiko beachten - Schwangerschaft: Datenlage dünn
kein generell erhöhtes Relaprisiko in der Schwangerschaft, aber Wochenbett könnte Risikofaktor sein (analog zu MS)
Zusammenfassung und Ausblick
MOGAD ist eine eigenständige, antikörpervermittelte Autoimmunerkrankung des ZNS, die sich durch folgende Kernmerkmale auszeichnet:
- Das MOG-Protein an der Außenseite von Oligodendrozyten und Myelinscheiden ist das Zielantigen
- Pathogene MOG-IgG1-Autoantikörper schädigen Myelin über zwei parallele Effektorwege: Komplementaktivierung (CDC, ca. 50%) und FcγR-Bindung (ADCC/ADCP, ca. 50%)
- Darüber hinaus stärken die Antikörper über FcγR-Mechanismen die T-Zell-Aktivierung
- Der IL-6/JAK/STAT3-Signalweg fördert Th17-Differenzierung und Plasmazellreifung und ist ein wesentlicher therapeutischer Angriffspunkt
- Es existieren bislang keine zugelassenen Therapien (Stand Feb. 2026); erste Phase-3-RCTs laufen (cosMOG mit Rozanolixizumab, METEOROID mit Satralizumab)
- Die Therapie bewegt sich in Richtung risikoadaptierter, biomarkergestützter Strategien
Der wichtigste Forschungsfortschritt der letzten Jahre ist die präzise Entschlüsselung der Effektormechanismen (Komplement vs. FcR-Weg) durch Arbeitsgruppen wie jene von Meinl, Mader, Kawakami (LMU München), was direkte Implikationen für die Therapieentwicklung hat: Ein optimaler Therapieansatz muss sowohl die IgG-Produktion (Anti-CD20, FcRn-Inhibitoren) als auch die Effektormechanismen (Komplement, FcγR) und die Th17/IL-6-Achse adressieren.
Toleranzinduktionsstrategien und BTK-Inhibitoren repräsentieren zukünftige, mechanistisch fundierte Therapieprinzipien, die in den nächsten Jahren klinisch erprobt werden dürften.
Ätherischer Öle – Wirkstoffe nach Signalwegen geordnet
Die Wirkstoffe lassen sich nach ihren Angriffspunkten in der MOGAD-Pathophysiologie clustern. Das ist entscheidend, weil MOGAD drei Hauptachsen hat:
- Th17/IL-6
- Komplementsystem/Oligodendrozyten-Schutz
- Remyelinisierung/OPC-Differenzierung.
Weihrauch (Boswellia serrata) – AKBA und Incensolacetat
Dies ist nach BCP der wissenschaftlich am stärksten untermauerte Kandidat für MOGAD und in seiner Wirkbreite aussergewöhnlich.
AKBA (3-O-Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure) ist das Hauptwirkprinzip. AKBA hat vielfältige physiologische Wirkungen, darunter antiinfektiöse, antitumorale und antioxidative Effekte sowie nachgewiesene neuroprotektive Wirkungen. Es fördert die Nervenreparatur und -regeneration, schützt vor ischämischem Hirnschaden, hemmt Neuroinflammation und verbessert Gedächtnisdefizite. European Academy of Neurology
AKBA inhibiert STAT3 dosisabhängig, ein zentraler Mechanismus, da STAT3 der Haupteffektortransskriptionsfaktor des IL-6/JAK-Signalwegs ist, der bei MOGAD Th17-Differenzierung und Plasmazellreifung antreibt. Zudem bietet die Aktivierung des Nrf2/HO-1-Signalwegs durch AKBA eine Richtung für die Reduktion oxidativen Schadens, Prävention von Demyelinisierung und Förderung der Remyelinisierung. ACS Publications
AKBA wirkt als molekularer Schalter, der die Leukotrienbildung durch allosterische Modulation von 5-LOX und 15-LOX blockiert, aber gleichzeitig die Produktion von SPM (Spezialisierten Pro-Resolving Mediatoren) stimuliert. Das verschiebt die Immunantwort aktiv in Richtung Auflösung der Entzündung, nicht nur deren Dämpfung. PubMed
Incensolacetat (flüchtiger Bestandteil des Weihrauch-ätherischen Öls, passiert BHS) aktiviert TRPV3-Kanäle in Neuronen sowie PPAR-γ – Frankincense-Komponenten können IL-6, TNF-α und GFAP (Marker für Astrozytenaktivierung) im Gehirn nach induzierter Entzündung signifikant senken. Neurology
Wichtiger Qualitätshinweis: Es gibt erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen Boswellia-Produkten, manche Produkte (z.B. H15 Ayurmedica®) enthielten in Analysen nur Spurenmengen der charakteristischen Boswelliasäuren (0,31 mg AKBA). Produkte wie BOSWELLIASAN® (7,51 mg) und Sallaki® Tablets (7,88 mg) zeigten dagegen substantielle AKBA-Mengen und entsprechend potente pharmakologische Effekte. Analysis of Boswellic Acid Contents and Related Pharmacological Activities of Frankincense-Based Remedies That Modulate Inflammation und Frontiers.
Das doTERRA Produkt Frankincense Boswellic Acid Complex beinhaltet 37,5 mg AKBA*
Therapeutisch relevante AKBA-Zieldosen
Aus der klinischen und präklinischen Forschung ergibt sich folgendes Bild:
| Anwendungsziel | AKBA-Tagesdosis | Quelle |
|---|---|---|
| Antiinflammatorisch (allgemein) | 100–200 mg | Humanstudien Gelenk/Darm |
| NF-κB / STAT3-Hemmung (Neuroinflammation) | 200–400 mg | Tiermodelle, Zellkultur |
| Optimale ZNS-Wirkung (Schrankenpassage) | 200–300 mg | Experimentelle Daten |
| Obere gut verträgliche Tagesdosis | 400–600 mg | Toleranzstudien |
Umrechnung auf 37,5 mg AKBA jeKapsel
| Ziel-AKBA-Tagesdosis | Einheiten/Tag | Praktisches Schema |
|---|---|---|
| 150 mg | 4 Einheiten | 2 × morgens + 2 × abends |
| 200 mg | 5–6 Einheiten | 3 × morgens + 2–3 × abends |
| 300 mg | 8 Einheiten | 4 × morgens + 4 × abends |
| 400 mg | 10–11 Einheiten | 3 × 3–4 Einheiten täglich |
Empfohlener Einstieg: 4 Einheiten täglich (= 150 mg AKBA), aufgeteilt auf 2 Gaben.
Nach 2 Wochen – bei guter Verträglichkeit – auf 6 Einheiten (= 225 mg) steigern.
Wichtige Einnahmehinweise
Fett ist entscheidend: AKBA ist stark lipophil, die Bioverfügbarkeit steigt um das 2–3-fache, wenn es mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen wird. Olivenöl, Avocado oder eine Hauptmahlzeit sind ideal. Nüchterneinnahme reduziert die Resorption drastisch.
Timing: AKBA hat eine Halbwertszeit von ca. 6 Stunden, daher sind 2–3 Gaben täglich sinnvoller als eine Einmaldosis, um einen gleichmäßigen Wirkspiegel aufrechtzuerhalten.
Kombination mit BCP: AKBA (STAT3/NF-κB-Achse) und BCP (CB2/Th17-Achse) adressieren bei MOGAD verschiedene Signalwege und wirken synergistisch. Es sind keine pharmakologischen Interaktionen bekannt.
Magenverträglichkeit: Boswellia ist im Allgemeinen sehr gut verträglich. Leichte Magenreizung treten bei höheren Dosen selten auf. Deshalb immer mit einer Mahlzeit einnehmen oder bedarfsweise die Dosis kurzfristig reduzieren.
Schwarzer Pfeffer (oral)
Der Hauptwirkstoff β-Caryophyllen (BCP) des Schwarzen Pfeffer-Öls (Piper nigrum) bewirkt einen Rückgang der entzündlichen Zytokine IL-6, TNF-α, IL-17, IFN-γ und der Transkriptionsfaktoren von Th17 (ROR-γt) und Th1 (T-bet), sowie eine signifikante Erhöhung der anti-inflammatorischen Zytokine TGF-β1, IL-10, IL-4 und der Transkriptionsfaktoren von Th2 (GATA3) und Treg (Foxp3). Diese Effekte sind streng mit der CB2-Rezeptor-Aktivierung verknüpft.
CB2-Rezeptoren und Remyelinisierung sind dabei mechanistisch direkt verknüpft: CB2-Agonismus fördert die Reifung von OPCs — ein CB2-Agonist der nächsten Generation (Yhhu4952) erhöhte signifikant die Expression von Myelin-Basisprotein (MBP) und den Anteil reifer Oligodendrozyten im Corpus callosum.
Dosierung für Schwarzen Pfeffer: 20 .. 200 mg/d – entsprechend 20 Tr./d – also am besten alle 8 Stunden 7 Trp. (besser alle 6h 5 Trp. hoherer Plasmaspiegel) in Trägeröl in Kapsel einnehmen. Da lipophil zusammen mit fettreicher Nahrung / Getränk.
Schwarzer Pfeffer (Inhalation)
Dosierung: Tagsüber alle 4 Stunden (Halbwertszeit liegt bei 2-4 Stunden) 3 Trp. auf das Liqui-Pad des beheizten Diffusors für 20 Min. inhalieren und nach jedem tiefen Atemzug für etwa 5-8 Sekunden Atem anhalten, nachts Diffusor im Raum laufen lassen, keine direkte Inhalation.
Schwarzer Pfeffer kann u.U. stimulierend wirken und die Nachtruhe beeinträchtigen. In dem Fall keine Diffusion in der Nacht.
Falls die Atemwege mit Reizung (Trockenheit) oder sich Kopfschmerz einstellt: Dosis reduzieren oder Zeitabstände vergrößern.
Copaiba-Öl (oral) – NUR doTERRA
52,6 % BCP – entspricht 14,7 mg BCP/Tropfen – da BCP lipophil ist, immer mit fettreicher Nahrung / Getränk einnehmen!
Gemäß klinischer Sicherheits-Studienlage ergibt sich daraus folgende auf Körpergewicht bezogene Dosierungsempfehlung:
MOGAD-spezifische Dosierungstabelle (doTERRA Copaiba 52,5 % BCP)
| Körpergewicht | Erhaltung (0,4 mg/kg) | Aktiver Schub (1,0 mg/kg) | Intensive Therapie (1,5 mg/kg) |
|---|---|---|---|
| 50 kg | 20 mg = 1–2 Tropfen | 50 mg = 3–4 Tropfen | 75 mg = 5 Tropfen |
| 60 kg | 24 mg = 2 Tropfen | 60 mg = 4 Tropfen | 90 mg = 6 Tropfen |
| 70 kg | 28 mg = 2 Tropfen | 70 mg = 5 Tropfen | 105 mg = 7 Tropfen |
| 80 kg | 32 mg = 2 Tropfen | 80 mg = 5–6 Tropfen | 120 mg = 8 Tropfen |
| 90 kg | 36 mg = 2–3 Tropfen | 90 mg = 6 Tropfen | 135 mg = 9 Tropfen |
| 100 kg | 40 mg = 3 Tropfen | 100 mg = 7 Tropfen | 150 mg = 10 Tropfen |
MOGAD-Phasen-adaptierte Dosierung
Phase 1: Akuter Schub (erste 2–4 Wochen)
Ziel: Aggressive Th17-Suppression, IL-6-Reduktion
- Dosierung: 1,0–1,5 mg/kg täglich
- Aufteilung: 3× täglich (optimal für CB2-Rezeptor-Daueraktivierung)
- Beispiel 70 kg: 5–7 Tropfen täglich, verteilt als 2+2+3 Tropfen
- Kombination: Mit AKBA (200–300 mg/Tag für STAT3-Hemmung) + hochdosiertes Kortison (Standard)
Phase 2: Schubremission / Erhaltung (langfristig)
Ziel: Relaps-Prävention, konstanter anti-inflammatorischer Tonus
- Dosierung: 0,4–0,7 mg/kg täglich
- Aufteilung: 2× täglich
- Beispiel 70 kg: 2–3 Tropfen täglich, verteilt als 1+2 oder 2+2
- Kombination: Mit AKBA (150 mg/Tag) optional
Phase 3: Monophasischer Verlauf (Titer fallend)
Ziel: Neuroprotection, Remyelinisierung
- Dosierung: 0,2–0,4 mg/kg täglich
- Aufteilung: 1–2× täglich
- Beispiel 70 kg: 1–2 Tropfen täglich
- Ausschleichen möglich nach 6–12 Monaten stabiler Seronegativität
Quellen
- Toxikologie (700 mg/kg NOAEL)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27358239/ - EAE-Modell (2,5–5 mg/kg wirksam)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10377147/ - Humanstudie (100 mg sicher)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9104399/ - Klinische Studie (126 mg/Tag wirksam)
https://accurateclinic.com/accurate-education-terpenes-caryophyllene/
Copaiba-Öl (Inhalation)
Neben Schwarzem Pfeffer mit maximal 38% BCP ist Copaiba-Öl mit bis zu 87% BCP weitaus potenter und damit in der Inhalation die beste Wahl.
Diffusoren arbeiten i.d.R. mit kalter Ultraschall(US)-Vernebelung. BCP verdampft jedoch erst ab etwa 130 °C, verbrennt bei Temperaturen größer 180 °C. Deshalb müssen beheizbare, temperaturgeregelte Diffusoren zum Einsatz kommen (z.B. Volcano Classic, Volcano Hybrid oder Mighty+) im Preissegment von ca. 270 – 415 Euro und die Temperatur möglichst exakt (mit IR-Thermometer prüfen) auf 160 °C eingestellt werden.
Dosierungsempfehlung für Copaiba-Öl (doTERRA) mit 69 % BCP-Gehalt – 1 Tropfen enthält 18,6 mg BCP.
BCP hat eine Halbwertszeit von 2-4 Stunden. Um einen möglichst gleichbleibenden Wirkstoffspiegel zu erreichen sollte eine Inhalation – wie oben beschrieben – mit 4 Tropfen (entspricht etwa 200 mg BCP) alle 4 Stunden erfolgen. Während der Nachtruhe kann ein Diffusor in Bettnähe laufen.
Zieldosen und benötigte Tropfenzahl
| Ziel-BCP-Dosis | Tropfen Copaiba-Öl | Gesamt-Öl (mg) |
|---|---|---|
| 20 mg BCP (Startdosis) | ~1 Tropfen | ~29 mg |
| 50 mg BCP | ~3 Tropfen | ~72 mg |
| 100 mg BCP (therapeutisch) | ~5–6 Tropfen | ~145 mg |
| 120 mg BCP (obere Alltagsdosis) | ~6–7 Tropfen | ~174 mg |
| Ziel-inhaliertes BCP | Öl-Menge auf Liquid Pad | Tropfen |
|---|---|---|
| ~20 mg BCP inhaliert | ~40 mg Öl (~78 mg/0,69) | 2–3 Tropfen |
| ~50 mg BCP inhaliert | ~100 mg Öl | 4–5 Tropfen |
Synergistische MOGAD-Strategie (Multi-Target)
Da MOGAD drei Pathomechanismen hat, ergibt sich diese evidenzbasierte Kombination:
| Wirkstoff | Dosis | Signalweg | MOGAD-Relevanz |
|---|---|---|---|
| BCP (oral) | 0,4–1,5 mg/kg | CB2 → Th17↓, IL-6↓, Nrf2/HO-1↑ | ★★★★★ |
| AKBA (oral) | 200–400 mg/Tag | STAT3↓, NF-κB↓, 5-LOX↓ | ★★★★★ |
| BCP (inhaliert, 160 °C) | 2–3 Tropfen, 2×/Tag | Limbisch, schnelle ZNS-Penetration | ★★★ |
| Weihrauch-Öl (inhaliert) | 3–4 Tropfen, 2×/Tag | Incensolacetat → TRPV3, PPAR-γ | ★★★ |
Diese Vier-Säulen-Strategie adressiert:
- Th17/IL-6 (BCP oral + AKBA)
- STAT3 (AKBA)
- Oligodendrozyten-Schutz (BCP Nrf2-Aktivierung)
- Limbische Modulation (Inhalation)
Wichtige MOGAD-spezifische Hinweise
- Keine Monotherapie – BCP/AKBA sind Add-ons zu konventioneller Therapie
(Kortison akut, ggf. Rituximab/MMF/IVIG prophylaktisch) — niemals als Ersatz - Biomarker-Monitoring:
- MOG-IgG-Titer alle 3–6 Monate
- sNfL (Neurofilament Light) als Aktivitätsmarker
- Bei dauerhaft fallenden Titern Dosisreduktion erwägen
- Schub-Trigger beachten – Infekte sind Haupttrigger
Bei Infekt ggf. Dosis temporär auf 1,5 mg/kg erhöhen (präventiv) - Leberwerte bei Copaiba – Wenn >1 mg/kg über >3 Monate
ALT/AST alle 3 Monate checken - Schwarzpfeffer-Alternative – Bei Copaiba-Bedenken: Schwarzpfeffer-Öl (25–38 % BCP)
Dann Tropfenzahl × 2 rechnen
α-Asaron (Kalmus-Öl, Acorus calamus) – direkt oligodendrozytenprotektiv
Einer der wenigen Wirkstoffe mit direktem Remyelinisierungseffekt ist α-Asaron. Es verbessert die Dysmyelinisierung wegen Verlust reifer Oligodendrozyten nach Hypoxie-Ischämie durch Hochregulation und Aktivierung von PPAR-γ in Astrozyten. Dies steigert die Expression des Glutamattransporters GLT-1 und entfernt exzessives Glutamat aus dem extrazellulären Raum, das sonst Glutamat-vermittelte Exzitotoxizität in OPCs verursachen würde, deren Differenzierung hemmen und den Zelltod einleiten würde. Universitätsklinikum Heidelberg
PPARy in Neurologie – Frontiers Editorial 2022
Achtung: Kalmusöl enthält je nach Herkunft unterschiedliche Anteile β-Asaron, das als mutagen eingestuft ist. Nur β-Asaron-freie Qualitäten (Acorus calamus var. americanus) verwenden.
Nach aktuellem Stand (02.2026) ist die Marktverfügbarkeit nicht gegeben.
Geraniumöl (Pelargonium graveolens) – Neuroinflammation und NO
Geraniumöl kann bei neurodegenerativen Erkrankungen nützlich sein, bei denen Neuroinflammation Teil der Pathophysiologie ist.
Hauptwirkstoff Citronellol zeigte exzellente inhibitorische Aktivität auf NO-Produktion bei höheren Konzentrationen, wobei synergistische Interaktionen zwischen den Komponenten entscheidend sind.
Citronellol hemmt außerdem NF-κB – direkt relevant für die Mikrogliaaktivierung bei MOGAD.
Teebaum-Öl (Melaleuca alternifolia) – Mikroglia-Modulation
Teebaum-Öl und seine Hauptkomponenten hemmen AChE und BChE sowie LOX. Die Optimierung von oxidativem Stress durch antioxidative Eigenschaften, Neuroinflammationshemmung und AChE/BChE-Inhibition können als Gesamtstrategie wirksam zur Verhinderung des neuronalen Zelltods beitragen.
Terpinen-4-ol (Hauptwirkstoff) hemmt zudem spezifisch die Mikroglia-M1-Polarisierung.
Wirkstoffübersicht nach MOGAD-Signalwegen
| Wirkstoff | Öl-Quelle | MOGAD-Signalweg | Stärke der Evidenz |
|---|---|---|---|
| β-Caryophyllen (BCP) | Schwarzer Pfeffer, Copaiba | CB2 → Nrf2/HO-1, PPAR-γ; Th17↓, IL-6↓ | ★★★★ (EAE-Modell) |
| AKBA | Weihrauch (Boswellia serrata) | STAT3↓, NF-κB↓, 5-LOX↓, SPM↑, Nrf2/HO-1↑ | ★★★★ (ZNS-Studien) |
| Incensolacetat | Weihrauch (flüchtiger Anteil) | TRPV3, PPAR-γ, IL-6↓, GFAP↓ | ★★★ (Tiermodell) |
| α-Asaron | Kalmus (Acorus calamus) | PPAR-γ → GLT-1↑ → OPC-Schutz, direkte Remyelinisierung | ★★★ (Hypoxiemodell) |
| Linalool | Lavendel, Melisse | NMDA-Modulation, SERT, Neuroprotektion | ★★★ |
| 1,8-Cineol | Eukalyptus, Rosmarin | AChE-Inhibition, Antioxidans | ★★★ (nachweislich im Gehirn) |
| Citronellol | Geranium | NO↓, NF-κB↓, Synergieeffekte | ★★ |
| Terpinen-4-ol | Teebaum | Mikroglia M1↓, LOX↓, AChE↓ | ★★ |
Quellen und weiterführende Literatur
- Banwell B et al. — Lancet Neurol. 2023;22:268–282 Diagnosekriterien MOGAD
PubMed (frei): https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36706773/
ScienceDirect (Abstract frei, Volltext kostenpflichtig): https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1474442222004318
DOI: https://doi.org/10.1016/S1474-4422(22)00431-8 - Mader S et al. — PNAS 2023 (Hinweis: in unserem Dokument als „PNAS 2024″ bezeichnet — das Erscheinungsjahr ist korrekt März 2023) Komplement- vs. FcR-Pathomechanismus, LMU München
PNAS Volltext (frei): https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2300648120
LMU Pressemitteilung (mit Erklärung): https://www.med.lmu.de/bmc/en/news/latest-news/news-overview/news/autoimmune-disease-mogad-insights-into-pathomechanisms.html
EAN-Kommentar: https://www.ean.org/research/resources/neurology-updates/detail/complement-dependent-and-independent-pathomechanisms-of-myelin-oligodendrocyte-glycoprotein-mog-abs-implications-for-therapeutic-strategies-in-mog-antibody-associated-disease-mogad - Kaneko K et al. — Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm. 2024;11(5):e200293 CSF-Komplementaktivierung
Der Artikel e200293 ist nicht direkt auffindbar — der verwandte MOGAD-Übersichtsartikel aus derselben Ausgabe (e200275 von Moseley/Zamvil) ist jedoch erreichbar:
Neurology NXI (e200275, gleiche Ausgabe): https://www.neurology.org/doi/10.1212/NXI.0000000000200275
PubMed-Suche für Kaneko 2024 MOGAD CSF: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38996203/ (führt zu e200275 — für e200293 direkte PubMed-Suche empfohlen) - Cho EB et al. — Front Immunol. 2024;15:1320094 Komplementmuster MOGAD vs. NMOSD
Frontiers (Volltext frei): https://doi.org/10.3389/fimmu.2024.1320094 (DOI direkt aufrufbar) - Frontiers Immunol. 2025 — EAE-Modelle, MOGAD Pathogenese (Im Dokument allgemein bezeichnet — gemeint ist der Übersichtsartikel zu Signalwegen/Pathomechanismen)
Frontiers Immunol. 2025 (Sun et al., PMID 40406135): https://doi.org/10.3389/fimmu.2025.1535571 - PMC 2023 — Comprehensive Review Pathophysiologie MOGAD
PMC Volltext (frei): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9597055/ - PMC 2024 — Updated Review Clinical Spectrum, Pathogenesis, Treatment
PubMed/PMC (Trewin et al., Autoimmun Rev 2025): https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39577549/
PMC Volltext: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9294102/ (Monoclonal Antibody Therapies NMOSD/MOGAD) - Stögbauer J et al. — Autoimmunity Reviews 2025;103970 Therapeutic Approaches Adults MOGAD
ScienceDirect (Open Access, Volltext frei): https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1568997225002319
DOI: https://doi.org/10.1016/j.autrev.2025.103970
Deutsche Zusammenfassung: https://www.reine-nervensache.de/therapieansaetze-bei-mogad-von-der-akutbehandlung-zur-langfristigen-strategie/ - Expert Opinion on Emerging Drugs 2025 — Clinical Trial Landscape
Tandfonline (Abstract frei, Volltext kostenpflichtig): https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14728214.2025.2565189
DOI: https://doi.org/10.1080/14728214.2025.2565189 - NEMOS-Studiengruppe https://www.nemos-net.de
- Patientenorientierte Studienübersicht (cosMOG/METEOROID):
Das MOG Projekt – https://mogproject.org/clinical-trials/
ClinicalTrials.gov – cosMOG – https://clinicaltrials.gov/study/NCT05063162
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Alle Dosierungsempfehlungen sind mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.
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