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POCD – Demenz & Alzheimer

Lesedauer 4 Minuten

Aktualisiert – Januar 4, 2026

Was sind die Unterschiede zwischen POCD (Postoperative Cognitive Dysfunction), Demenz und Alzheimer und wie ist die aktuelle, medizinische Studienlage? Dies soll nachfolgend untersucht und detailliert dargelegt werden.

In einem weiteren Beitrag (noch in Bearbeitung) werden Möglichkeiten der Anwendung Ätherischer Öle und deren Wirkung auf o.g. Krankheitsbilder aufgezeigt. Alle Aussagen werden mittels unabhängiger wissenschaftlicher Studien belegt.

POCD

POCD tritt oft nach Operationen in Folge der Narkose auf. Betroffen sind Menschen aller Altersklassen, überwiegend jedoch über 60-jährige Patienten. Drei Monate später leiden noch etwa 10 % unter POCD.

Abhängig von deren gesamten Gesundheitszustand, Alter, Vorerkrankungen und Ausmaß der Operation, Bildungsstand, aber auch in Abhängigkeit der verwendeten Narkotika, stellt sie eine meist vorübergehende Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen (z.B. Gedächtnis, Konzentration, Lernfähigkeit) dar.

Das Risiko für ein Auftreten von POCD lässt sich mittels verschiedener Tests vor und nach der Operation abschätzen. Maßgeblich ist stets das Vorhandensein von erhobenen Vergleichsdaten VOR der OP (praeoperativ).

Statistisch ist belegt, dass

  • 36,6 % der 18–39-Jährigen
  • 30,4 % der 40–59-Jährigen und
  • 41,4 % der Patienten über 60 Jahre.

bei Entlassung unter POCD litten.

Weiterführender Artikel des Deutschen Ärzteblattes 2014.

Testmethoden

Kurzes Fazit vorab:

  • MoCA ist der am besten validierte Test für ein POCD-Screening mit hoher Sensitivität
  • 6CIT kann als Ultra-Schnell-Screening verwendet werden, setzt aber Training voraus
  • CFQ ist nicht geeignet als objektives Maß für POCD, eher für subjektive kognitive Beschwerden und psychologischen Distress

Vergleich aller drei Testmethoden

TestDauerPunkteBemerkungStärkenLimitationen
MoCA10 Min0-30Am besten validiertHohe Sensitivität (90% für MCI), detektiert POCD in Vollnarkose & RegionalanästhesieBenötigt Training, längere Durchführung
6CIT2 Min0-28*Schnelles ScreeningSehr schnell, korreliert gut mit MoCA (r=-0,86)Niedrige Reliabilität in Real-World-Settings ohne Training
CFQ5-10 Min0-100Subjektive BeschwerdenErfasst Alltagsfunktion, SelbstberichtKorreliert NICHT mit objektiven Tests, misst eher psychologischen Distress

    *Achtung – Höhere Scores stehen für schlechtere Kognition!

    Montreal Cognitive Assessment (MoCA)

    Testbeschreibung und Durchführung

    Der MoCA ist ein 10-minütiges kognitives Screening-Tool mit maximal 30 Punkten.
    Der Test evaluiert:

    • Kurzzeitgedächtnis (short-term memory)
    • Visuospatiale Fähigkeiten (visuospatial skills)
    • Exekutive Funktionen (executive functions)
    • Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis (attention, working memory)
    • Sprache (language)
    • Orientierung (orientation)

    Interne Konsistenz: Cronbach’s alpha von 0,83 in der Originalversion.

    Bei einem Cut-off-Score von 26 Punkten:

    • MMSE: Sensitivität 18% zur Detektion von MCI
    • MoCA: Sensitivität 90% zur Detektion von MCI
    • Bei milder Alzheimer-Demenz: MMSE 78% Sensitivität vs. MoCA 100%
    • Spezifität: MMSE 100%, MoCA 87%

    Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15817019/

    • Präoperativ vs. 24h postoperativ bei Vollnarkose:
      • MMSE: 27,17±1,93 → 26,23±2,77 (p=0,003)
      • MoCA: 24,32±3,19 → 22,87±3,88 (p=0,000)
    • Präoperativ vs. 24h postoperativ bei Spinalanästhesie:
      • MMSE: Kein signifikanter Unterschied
      • MoCA: 24,35±2,84 → 23,13±4,08 (p=0,019)
    • POCD-Inzidenz: MoCA 32,9% vs. MMSE 15,2% (p=0,018)

    Achtung: MoCA detektierte kognitiven Abbau in beiden Anästhesie-Gruppen MMSE nur in der Vollnarkose-Gruppe.

    Weitere Studien:

    Diagnostic accuracy of the Montreal Cognitive Assessment (MoCA) for cognitive screening in old age psychiatry: Determining cutoff scores in clinical practice. Avoiding spectrum bias caused by healthy controls

    Six Cognitive Item Test (6CIT)

    Testbeschreibung und Durchführung

    Der 6CIT (s.a. Kingshill Version 2000) ist mit einer Durchführungszeit von im Mittel nur 2,05 Minuten mit einer maximalen Piunktzahl von 28, die die schlechteste Kognition beschreiben, während niedrigere Werte eine bessere Kognition bedeuten. Der Test evaluiert:

    • Gedächtnis
    • Aufmerksamkeit
    • Sprache
    • Exekutive Funktionen
    • Motorische Geschwindigkeit

    Mediane Scores nach Diagnosegruppen:

    • SCD (Subjective Cognitive Decline) – 2 Punkte
    • MCI (Mild Cognitive Impairment) – 5 Punkte
    • Demenz – 17 Punkte

    Weitere Studien:

    Cognitive Failure Questionnaire (CFQ)

    Testbeschreibung und ursprüngliche Entwicklung

    Der CFQ ist ein selbstberichteter Fragebogen mit 25 Fragen zur Evaluierung von Fehlern in der Wahrnehmung (perception), Gedächtnis (memory) und motorischen Funktionen (motor function).

    Eigenschaften:

    • Antwortskala: 0 („Nie“) bis 4 („Sehr oft“)
    • Gesamtscore-Bereich: 0-100 (höhere Werte stehen für größere kognitive Beeinträchtigung)
    • Stabilität: Relativ stabil über lange Perioden (Trait- statt State-Messung)
    • Korrelation mit Außenkriterien: Signifikante Korrelation mit Bewertungen durch Ehepartner
    • Korrelation mit psychiatrischen Symptomen: Ja (MHQ – Mental Health Questionnaire)

    Vier Subdomänen fließen in das Ergebnis ein:

    • Memory (Gedächtnis) mit 0-32 Punkten
    • Distractibility (Ablenkbarkeit) mit 0-36 Punkten
    • Blunders (Fehler) mit 0-28 Punkten
    • Names (Namen) mit 0-8 Punkten

    POCD-typischer Umfang:

    • Gedächtnis
    • Aufmerksamkeit
    • Sprache
    • Exekutive Funktionen
    • Motorische Geschwindigkeit

    Weitere Studien:

    Einfluss von Narkotika auf postoperative POCD

    Das intravenös applizierte Propofol zeitigte lt. dieser Studie eine geringeren Inzidenz von Delir und POCD im Vergleich zu der Inhalations-Narkose mit Sevofluran. Die Studie liegt nur als Bezahlversion im Volltext vor.

    Die POCD-Inzidenz lag bei Sevofluran höher (57,1%) im Vergleich zu Propofol (32,3%), ebenso war die Delirium-Inzidenz bei Sevofluran mit 34,2% höher im Vergleich zu Propofol mit nur 8,8%.

    Demenz & Alzheimer

    Während Demenz ein Syndrom ist und Symptome beschreibt, stellt Alzheimer die Krankheit, eine spezifische Ursache für diese Symptome dar.

    Demenz untergliedert sich in (Häufigkeit):

    • Alzheimer-Krankheit – (77%)
    • Lewy-Körper-Demenz (LBD) – (26%)
    • Vaskuläre Demenz (VaD) – (18%)
    • Hippocampus-Sklerose (HS) – (13%)
    • Frontotemporale Demenz (FTD) – (5%)
    • Gemischte Demenz
      Gleichzeitiges Alzheimer bei LBD-Patienten – (66%)
      Gleichzeitiges Alzheimer bei VaD-Patienten – (77%)
      Gleichzeitiges Alzheimer bei HS-Patienten – (66%)

    Nach aktuellem Kenntnisstand (01.2026) gelten alle Demenzformen als nicht heilbar. Lediglich die Progression kann verlangsamt werden. Neben den bekannten Pharmaka werden weitere 138 erforscht.

    Präventiv haben sich höhere Bildung, körperliche Aktivität, gute Coping-Fähigkeiten und ein starkes soziales Netzwerk als positiv hinsichtlich der Sekung von Demenz-Risikofaktoren erwiesen.

    Weitere Studien:

    … wird fortgesetzt …

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