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Aktualisiert – Februar 16, 2026
DMSO (Dimethylsulfoxid), CDL (Chlordioxid-Lösung – identisch mit CDS (Chlorine Dioxide Solution) und MMS (Master Mineral Solution)), zwei Substanzen, die einerseits in den Himmel gehoben, andererseits verteufelt werden.
Dieser Beitrag soll dem Leser die Möglichkeit einer möglichst objektiv ausgerichteten Meinungsbildung an die Hand geben.
Deshalb wird der Beitrag etwas ausführlicher als rein wissenschaftlich nötig: Es werden bezüglich beider Substanzen sowohl die Historie, die „landläufige Auffassung“, als auch die wissenschaftliche Seite ausführlich zu Wort kommen.
Wie gewohnt, werden einzelne Aussagen mit Quellennachweis versehen.
DMSO
Grundnarrative
DMSO, der medizinische Alleskönner. Noch vor Jahren in jeder Hausapotheke zu finden, ein natürliches Heilmittel mit geringsten Nebenwirkungen und ganzheitlicher Wirkung.
Es wird als Transporthelfer für andere Substanzen beschrieben, fördert die Penetration durch die Haut und Zellmembranen, bringt auf diese Weise Wirkstoffe direkt an den Ort des Geschehens.
Gleichfalls werden DMSO entzündungshemmende, schmerzlindernde, wie antioxidative Eigenschaften zugeschrieben.
Im Daniel Peter Verlag ist „Das DMSO-Handbuch: Verborgenes Heilwissen aus der Natur Gebundene Ausgabe Deutsch“ von Dr. Hartmut Fischer, Chemiker und Heilpraktiker erschienen.
DMSO mit „Heilwissen aus der Natur“ zu bezeichnen ist allerdings fehlgeleitet, denn Dimethylsulfoxid ist nicht direkt aus natürlichen Quellen als reines, biologisch gewonnenes Produkt verfügbar, sondern ein synthetisches Abfallprodukt der Zellstoffherstellung.
Historie
Alexander Michailowitsch Zaytsev (02.07.1841 – 01.09.1910 – russischer Chemiker, Universität Kasan) forschte 1866 systematisch an Alkylsulfiden, die aus Holzdestillationsprodukten gewonnen wurden. So gelang es ihm erstmals durch Oxidation von Dimethhylsulfid mit Salpetersäure, Dimethylsulfidoxid (DMSO) zu synthetisieren. Dies veröffentlichte er 1867 in Justus Liebigs Annalen der Chemie und Pharmacie, Band 144, Seiten 148 – 156 mit dem titel „Ueber die Einwirkung von Saltpetersäure auf Schwefelmethyl und Schwefeläthyl“. Liebigs Annalen galt im 19. Jahrhundert als das führende internationale Journal für organische Chemie und wichtigstes Publikatoipnsorgan für deutsche, wie internationale Chemiker.
Im Jahre 1953 wurde DMSO als Lösungsmittel kommerziell eingeführt, das polare, wie unpolare Substanzen löst, mischbar mit Wasser ist und einen relativ hohen Siedepunkt von 189 °C bei 1013 hPa aufweist.
Erst 1963 lebte die Forschung um DMSO wieder auf, als Stanley Jacob MD, einem renommierten Chirurgen und Robert John Herschler, die beide an der Oregion Health Scienses University beschäftigt waren, dessen medizinischen Eigenschaften entdeckte und 1964 publizierten: Jacob SW, Bischel M, Herschler RJ. „Dimethyl sulfoxide (DMSO): a new concept in pharmacotherapy“ Current Therapeutic Research, Clinical and Experimental 1964; Band 6: Seiten 134-135.
Jacob, der mit 24 Jahren bereits seinen medizinischen Abschluss an der Ohio State University erwarb, war ursächlich auf der Suche nach einer Substanz, die es ihm ermöglichte, Organe, insbesondere Nieren, ohne Schaden einfrieren und konservieren zu können.
11 Jahre später hatte er bereits mehr als 40 Artikel zu medizinischen Themen veröffentlicht.
Er kam 1959 als Leiter der Transplantationsgruppe an die University of Oregon Medical School und wurde damit Teil der ersten menschlichen Nierentransplantation der Welt.
Herschler entdeckte bei einem Laborunfall, dass DMSO mit einem Farbstoff vermischt in die Haut gebracht wurde, wie auch seine DMSO-„Tinte“ in einen Zweig getrieben wurde, woraus er folgerte, dass es in ähnlicher Weise wohl auch Antibiotika in den Körper zu transportieren vermochte.
Er war der Industriechemiker, der Verbindungen in die industrielle Welt herstellte. So gewann er Crown Zellerbach, Hersteller von DMSO, als Patent-Partner, was die Medienberichterstattung im Dezember 1963 explodieren ließ.
Crow Zellerbach beabsichtigte mit sechs Pharmaunternehmen gleichzeitig zu arbeiten, was zu einem Wettlauf als Erster auf den Markt zu kommen verursachte.
Ebenfalls entdeckte Herschler Methylsulfonylmethan (MSM), einem DMSO-Metaboliten, der heute als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) auf dem Markt ist.
Er trieb auch die Grundlagenforschung zum Verständnis der Wirkungungsweise von DMSO im menschlichen Körper voran, indem er den alternativen Schwefel-Stoffwechsel bei Säugetieren entdeckte.
1965 bereits stoppte die FDA wegen mehrerer Vorfälle im Zusammenhang mit der Anwendung von DMSO an Tier und Mensch sämtliche Forschungen an DMSO weltweit.
Anlass dafür waren Meldungen aus der Fachpresse über zwei nicht aufgeklärte Todesfälle nach DMSO-Therapie, ein Todesfall aus Irland* aufgrund fraglicher allergischer Reaktion (Fußnote 4 in der Quellenangabe).
All jene Fälle wurden in Zeiten vor der Digitalisierung von Inhalten berichtet und sind daher nur in den archivierten Printmedien nachzulesen.
Weitere Quellen:
- *The Untapped Healing Potential of DMSO
- DMSO Is Not a Cure-All – McGill University
Erwähnt den Irland-Fall - The Remarkable History and Safety of DMSO
Detaillierteste Diskussion
- 1966 – Time Magazine – The Mess in FDA
- 1978 – Washington Post – Nachruf
- 2019 – Systematischer Review zu DMSO-Nebenwirkungen
Wissenschaftliche Diskussion – Historie
Das rigorose FDA-Verbot basierte auf den o.g. Fällen und Tierversuchen, in denen – mit weit höherer Dosierung als beim Menschen -, ophthalmologische Schäden auftraten, die bei menschlichen Probanden nicht verzeichnet wurden.
Anwendung
Zulässige medizinische Anwendungen
Humanmedizin
- topisch zur Schmerzlinderung**, Entzündungshemmung, Abschwellung und Durchblutungsförderung, sowie Glättung von Narbengewebe durch Kolagenabbau
- Penetrationsverstärkung für z.B. Antimykotika (Warzen, Nagelpilz), ggf. mit EDTA (Ethylendiamintetraacetat) Zusatz
- Interstitielle Zystitis/Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS), eine refraktäre chronische Zystitis unbekannten Ursprungs (RIMSO-50® – Zulassung nur in den USA und Japan)
für schmerzempfindliche Patienten sind die ersten 2-3 Anwendungen unter Anästhesie durchzuführen
Meta-Analyse – Fazit: „Evidenzbasierte statistische Analyse der Literatur zur intravesikalen DMSO-Behandlung bei interstitieller Zystitis/Blasenschmerzsyndrom zeigt, dass diese Therapie sowohl wirksam als auch sicher ist.“
und
„Warnhinweise: DMSO kann die Freisetzung von Histamin initiieren, und es gab gelegentliche Überempfindlichkeitsreaktionen bei topischer Anwendung von DMSO; dies wurde bei einem Patienten berichtet, der intravesikales RIMSO-50® erhielt.“ - Kryobiologie (Konservierung von Organen, Stammzellen, Knochenmarkzellen und Embryonen
Organe werden in jeweils höhere Konzentrationen DMSO gelegt. Hierbei wird das enthaltene Wasser osmotisch durch DMSO verdrängt, mithin einer mögliche Eiskristallbildung des Wassers entgegen gewirkt, ehe es in flüssigem Stickstoff bei -195,8 °C aufbewahrt wird.
Beim Auftauen wird das Organ in Wasser gelegt, wodurch wiederum das DMSO osmotisch verdrängt und durch Wasser ersetzt wird. Zusätzlich erfolgt ggf. Spülung mit Wasser. - in der interventionellen Radiologie (Teilgebiet der Radiologie, das minimalinvasive diagnostische und therapeutische Eingriffe unter bildgebender Kontrolle durchführt.)**
Veterinärmedizin
- seit 1970 – topische Anwendung für Pferde zur Behandlung akuter Schwellungen aufgrund von Traumata, sowie muskuloskelettale Verletzungen, außer bei Zuchthengsten und trächtigen Stuten
Für Hunde topisch zur Behandlung akuter Schwellungen aufgrund von Traumata
Produkte: DOMOSO® und SYNOTIC® (Diamond Laboratories Inc., Des Moines, Iowa)
„Warnhinweise: Veränderungen im Brechungsindex der Augenlinse und nukleäre Katarakte wurden bei Tieren mit der Verwendung dieses Medikaments beobachtet; dies scheint mit Dosierung und Therapiedauer zusammenzuhängen.„
Off-Label Anwendungen
Humanmedizin
- „Blasen-Cocktails“ mit zusätzlichen Medikamenten (IC/BPS)
Veterinärmedizin
- Diverse Hauterkrankungen bei Hunden (Calcinosis cutis, Leckdermatitis)
- Post-operative Behandlungen in der Veterinärmedizin
- Hufrehe bei Pferden
Nicht evidenzbasierte Anwendungen
Humanmedizin
- Arthritis
- Geschwüre bei Sklerodermie
- Muskelzerrungen
- Prellungen
- Hautinfektionen
- Verbrennungen
- Wunden
- psychische Erkrankungen
- Patienten berichten nach Anwendung von DMSO-basierten Augentropfen positiv von sich auflösenden Katarakten, verschwindenden Floatern, umkehrender Makuladegeneration und sich bessernder, eigentlich lebenslanger, Blindheit.
Allerdings wurden diese Berichte nie klinisch untersucht und bestätigt.
CDL (CDS, MMS)
Jim Humble und die Genesis II Church
Dass MMS 95% aller durch Pathogene verursachte Krankheiten heile verbreitete Jim Humble (27.12.1933 Mobile, Alabama – 01.09.2023), seines Zeichens Geschäftsmann. Er arbeitete nach eigenem Bekunden in den Fünzigern in einem Bioladen, danach 20 Jahre in der Luft- und Raumfahrtindustrie und 40 Jahre lang Goldgräber. 25 Jahre war er aktives Mitgied bei Scientology ©. 1956 – 1981).
Er gründete 2010 die „nicht-religiöse Kirche“ Genesis II Church.
In Seminaren, die als „kirchliche“ Veranstaltungen abgehalten wurden, lehrten Humble und andere Kirchenvertreter weltweit, MMS sei ein Wunderheilmittel, eine Behandlung für praktisch jede Krankheit, einschließlich Brustkrebs oder kindlichem Autismus.
„Es gibt sicherlich Zeiten, in denen ich einige Dinge gesagt habe, die ich wahrscheinlich anders hätte sagen sollen. Aus Mangel an einer besseren Möglichkeit, Dinge damals auszudrücken – oder weil andere mir Worte in den Mund legen, habe ich in der Vergangenheit erklärt, dass MMS die meisten Krankheiten heilt. Heute sage ich, dass MMS nichts heilt!“ so ließ Humble ABC Reporter, die ihn nach seiner Flucht aus den USA in Guadalajara, Mexiko, aufspürten und mit seinem früheren Ausspruch, es „heile 95% aller durch Pathogene verursachte Krankheiten“ konfrontierten, wissen.
Humble behauptet außerdem, ein Milliarden Jahre alter Gott aus der Andromeda-Galaxie zu sein, der zur Erde geschickt wurde, um Menschen zu retten. (Quelle)
Auch in Kanada wurden Dutzende Anklagen gegen Stanley Nowak und andere erhoben, so wegen „unrechtmäßigen Kennzeichnung, Verpackung, des Verkaufs oder der Werbung für Natriumchlorit in einer Weise angeklagt, „die falsch, irreführend oder trügerisch war oder wahrscheinlich einen falschen Eindruck hinsichtlich seiner Art, seines Wertes, seiner Menge, seiner Zusammensetzung, seines Verdienstes oder seiner Sicherheit erweckt.“ (Quelle wie vor)
FDA – Consumer Update / Warning Letter
Aufgrund gemeldeter, z.T. schwerer, Gesundheitsschäden erließ die FDA (Federal Drug Administration) am 30.07.2010 ein erstes Consumer Update und „warnt vor den schwerwiegenden Gesundheitsgefahren von MMS, das bei Anwendung zu Chlordioxid – einem technischen Bleichmittel – reagiert. Die FDA betont, dass das Produkt nicht für den menschlichen Konsum geeignet ist und ernsthafte Nebenwirkungen wie Erbrechen, Dehydrierung und lebensbedrohlichen Blutdruckabfall verursachen kann.„
Am 12.08.2019 gibt die FDA ein weiteres Consumer Update heraus „FDA warns consumers about the dangerous and potentially life threatening side effects of Miracle Mineral Solution„
Ein Warning Letter der FDA vom 08.04.2020 an die Genesis II Church „Unapproved and Misbranded Products Related to Coronavirus Disease 2019 (COVID-19)“ nachdem Mark Grenon in einem Brief an seinen Bruder John schrieb: „Das Coronavirus ist heilbar, glaubt ihr das? Ihr solltet besser… es ist verdammt gutes Zeug Joe,“ und Joseph Grenon antwortet: „MMS wird es töten“.
Anklageerhebung
Am 17.04.2020 wurde gegen die Genesis II Church, Mark, Joseph, Jordan und Jonathan Grenon unter Case No. 20-21601-CV-WILLIAMS vom U.S. District Court for the Southern District of Florida unter vorsitz der Richterin Kathleen M. Williams Klage erhoben.
Es erging am 11.08.2020 ein Versäumnisurteil mit dem Inhalt „Verbot des Verkaufs und der Verbreitung von nicht zugelassenen oder falsch gekennzeichneten Produkten wie Miracle Mineral Solution (MMS).“
Nahezu zeitgleich, am 08.07.2020, erhob Ariana Fajardo Orshan, US-Staatsanwältin für den Southern District of Florida, Strafanzeige gegen Mark Grenon und seine drei Söhne Jonathan, Jorda und Joseph wegen der Herstellung und des Vertriebs, sowie der Anweisung an Kunden, es oral einzunehmen und, der eidesstattlichen Erklärung zufolge, der aufgestellten Behauptung, dass MMS COVID-19 behandeln, verhindern und heilen kann. (Quelle)
Verurteilung
Jonathan und Jordan wurden im Juli 2020 in Bradenton, Florida verhaftet, Mark und Joseph flohen nach Kolumbien und wurden dort im august 2020 verhaftet und im Juli 2023 an die USA ausgeliefert.
Im Prozess vertraten sich die Grenons selbst, lehnten jedoch jede Auskunft ab.
Mark Grenon, 66, und Joseph Grenon, 36, wurden zu 60 Monaten Gefängnis verurteilt, der gesetzlichen Höchststrafe für die Verschwörung zum Betrug der Vereinigten Staaten durch Vertrieb eines nicht zugelassenen und falsch gekennzeichneten Medikaments, Jonathan und Jordan Grenon wurden zu 151 Monaten verurteilt.
Die „Kirchen“-Fassade
Genesis‘ Websites beschreiben Genesis als „nicht-religiöse Kirche,“ und Angeklagter Mark Grenon, der Mitbegründer von Genesis, hat wiederholt anerkannt, dass Genesis „nichts mit Religion zu tun hat,“ und dass er Genesis gründete, um „die Verwendung von MMS zu legalisieren“ und zu vermeiden, „ins Gefängnis zu gehen“.
Drohungen
Die Grenons drohten dem Bundesrichter, der den Zivilprozess leitete, und drohten, dass sie, sollte die Regierung versuchen, die Gerichtsbeschlüsse durchzusetzen, die ihren Vertrieb von MMS stoppten, „zu den Waffen greifen“ und „ein Waco“ inszenieren würden.
„Waco“ bezieht sich auf die Belagerung des Branch Davidian-Komplexes in Waco, Texas, 1993, bei der über 70 Menschen starben.
Umsatz
Die Grenons erhielten mehr als $1 Million durch den Verkauf von MMS, das nur gegen „Spenden“ an die Kirche erworben werden konnte,
Während die Grenon-Familie in ganz 2019 $500.000 verdiente, erzielte sie allein im März 2020 $123.000.
Herstellung / Lager
Beschreibung aus Gerichtsdokumenten:
- Schmutziger, heruntergekommener Schuppen in Jonathan Grenons Hinterhof in Bradenton, Florida
- Dutzende blauer Chemikalientrommeln
- Fast 10.000 Pfund Natriumchlorit-Pulver
- Tausende Flaschen fertiges MMS
- Warnaufkleber auf den Trommeln: „TOXISCH“ und „GEFÄHRLICH BEI VERZEHR“
(Quelle)
CDL by Andreas Kalcker
COMUSAV und die Parallelen zu Jim Humble
Andreas Ludwig Kalcker wurde am 13. oder 16.003.1964 in Wuppertal geboren, ein genaues Geburtsdatum ist unbekannt. Er studierte Betriebswirtschaft und Finanzwesen. Etwa 1982 zog er nach Spanien um, arbeitete bei der Banco de Medges / Fibank. Um 2000 begann er ein Fernstudium an der Open University of Advanced Sciences.
Im Jahr 2007 erkrankte er an Arthritis und führte eine Selbstbehandlung, nach Test mit MMS an seinem Dackel, durch, – mit Erfolg.
Ab diesem Zeitpunkt begann seine Zusammenarbeit mit Jim Humble und die Weiterentwicklung des MMS (Natriumchlorid und Zitronensäure resultiert in einem sauren pH-Wert) zu CDL/CDS (Chlordioxidgas in Wasser gelöst ergibt einen neutralen ph-Wert).
Seine Publikationen vertreibt er über den von Jim Humbles Tochter Paris Humble begründeten Jim Humble Verlag, wie auch über den Kopp Verlag.
Spirit of Health Kongress
Auf dem ersten Kongress „Spirit of Health“ von Leo Koehof in Hannover stand dann Jim Humble auf der Bühne und präsentiert erstmals vor einem großen Publikum seine Entdeckung MMS.
Andreas Kalker warb im März 2018 auf dem Kongress „Spirit of Health“ im Berliner Maritim Hotel für die Wirkung von MMS.
Umstrittene akademische Qualifikation
Andreas Kalcker studierte per Fernstudium und machte den Abschluss in naturwissenschaftlicher Bio-Physik. Dort schrieb er auch seine Doktorthesis an, allerdings wurde der Doktortitel offiziell nicht anerkannt. Nach erfolgloser Bitte um entsprechende Unterstützung seitens der Universität verzichtete er auf diesen Doktortitel und bezeichnet sich selbst als biophysikalischen Forscher, eine nicht geschützte, willkürliche Bezeichnung.
COMUSAV
Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Coalición Mundial Salud y Vida / World Health and Life Coalition zusammen.
Dr. h.c. Andereas Kalcker (?)
„Nuestra Misión es despertar la conciencia de todas las personas, no solo de los profesionales de la salud, promoviendo el estudio y uso terapeútico responsable del CDS (Solución de Dióxido de Cloro) cuyo creador el Dr. h.c. Andreas Ludwig Kalcker es nuestro miembro honorífico.“
„Unsere Mission Ziel ist es, das Gewissen aller Menschen zu wecken, nicht nur des medizinischen Fachpersonals, und die Erforschung und verantwortungsvolle therapeutische Verwendung von CDS (Chlordioxidlösung) zu fördern, dessen Erfinder Dr. hc. Andreas Ludwig Kalcker ist unser Ehrenmitglied.“
Der hier genannte Titel „Dr. h.c.“ klassifiziert den Dr.-Titel mit „h.c.“ (honoris causa) als Ehrendoktortitel. Ein akademischer Ehrendoktortitel wird von einer anerkannten Universität oder Hochschule nach Ermessen verliehen.
Seine Biografie verkündet hierzu „… In Anerkennung seiner wichtigen Beiträge wurde ihm die Ehrendoktorwürde der renommierten Executive University of the State of Mexico verliehen.“
Eine „Executive University of the State of Mexico“ ist jedoch nicht existent, somit weder renommiert, noch eine mögliche Institution zur Verleihung derlei Titel.
Die Finanzierung
Es werden unterschiedliche Ausbildungskurse im Rahmen von aktuell etwa 30 – 600 Euro angeboten, sowie Bücher von Andreas Kalcker, wie Gesundheit verboten, Bye Bye Covid von Dr. Andreas Ludwig Kalcker (Gemäß § 132a StGB ist die unbefugte Führung von akademischen Titeln, Berufsbezeichnungen oder Abzeichen strafbar.)

Ermittungsbehörden
Argentinien – Todesfall eines Kindes
Anklage 2023: In der Verbindung mit Todesfällen nach der Einnahme des Bleichmittels Chlordioxid hat die Staatsanwaltschaft in Argentinien nun Anklage gegen Andreas Kalcker erhoben.
Aktueller Stand: Da Kalcker auch in Südamerika sich aktiv für den Einsatz von Chlordioxid einsetzt, ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft in Argentinien gegen ihn.
Deutschland – Verbraucherzentrale
Die Verbraucherzentrale NRW hat hat Kalcker’s Aktivitäten kritisch bewertet und vor seinen Produkten gewarnt, um Verbraucher vor Schäden zu schützen: Über seine Webseite verbreite er „irreführende und gefährliche Informationen über die Chemikalie Natriumchlorit„; auf der Webseite Kalckers „werden unter einem pseudo-wissenschaftlichen Deckmantel falsche und irreführende Behauptungen aufgestellt, fragwürdige Studien zitiert und Verschwörungen verbreitet„
Die Seite hat zudem kein Impressum und verstößt damit gegen die Transparenzpflicht in § 5 Telemediengesetz (TMG) .
Österreich – Todesfall eines prominenten Impfgegners
Johann Biacsics war einer der bekanntesten Impfgegner Österreichs; zu Hause therapiert er sich im November 2021 selbst mit Chlordioxid; zwei Tage später verstirbt er.
„Wissenschaftliche“ Behauptungen
Die Prophylaxe-Studie
ist lediglich als Preprint-Studie (nicht peer reviewed) von Manuel Aparicio-Alonso, Carlos Dominguez-Sanchez (carlos.dominguez-cmj@hotmail.com) und Marina Banuet-Martinez „A Retrospective Observational Study of Chlorine Dioxide Effectiveness to Covid19-like Symptoms Prophylaxis in Relatives Living with COVID19 Patients“ veröffentlicht worden.
Sie kommt zu dem Schluss:
„Our study has some limitations.
The first of all is that this is a retrospective observational study, which means that conclusive evidence of the effectiveness of the CDS cannot be established because we could only use the information available in the medical records of the relatives, and we could not have any control over the variables.
Second, misinformation bias exists since baseline and clinical information is reported by relatives.
Third, many relatives did not undergo diagnostic or confirmatory tests for SARS-Cov-2 due to the economic situation and the high cost of these in Mexico. Therefore, it was impossible to establish with certainty that the relatives who reported any covid19-like symptoms had COVID19.
Fourth, the studies’ results used to compare our results are obtained from different populations and were collected under other conditions, so these comparisons should be interpreted with caution.
Fifth, the overall interpretation of the findings may be restrained due to the lack of additional information (e.g. personal care, eating habits, proximity and relationship with patients, etc.) …“
„Unsere Studie weist einige Einschränkungen auf.
Erstens handelt es sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie, was bedeutet, dass kein schlüssiger Beweis für die Wirksamkeit des CDS erbracht werden kann, da wir nur die in den Krankenakten der Angehörigen verfügbaren Informationen verwenden konnten und keine Kontrolle über die Variablen hatten.
Zweitens besteht eine Fehlinformationsverzerrung, da Ausgangs- und klinische Informationen von Verwandten gemeldet werden.
Drittens wurden viele Verwandte aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der hohen Kosten dieser Tests in Mexiko keinen diagnostischen oder bestätigenden Tests auf SARS-Cov-2 unterzogen. Daher konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden, dass die Angehörigen, die über Covid19-ähnliche Symptome berichteten, an COVID19 litten.
Viertens,Die zum Vergleich unserer Ergebnisse verwendeten Studien’-Ergebnisse stammen aus verschiedenen Populationen und wurden unter anderen Bedingungen gesammelt. Daher sollten diese Vergleiche mit Vorsicht interpretiert werden.
Fünftens kann die Gesamtinterpretation der Ergebnisse aufgrund fehlender zusätzlicher Informationen (z. B. persönliche Pflege, Essgewohnheiten, Nähe und Beziehung zu Patienten usw.) eingeschränkt sein. …“
Behandlungs-Studie
„Chlorine Dioxide as an Alternative Treatment for COVID-19„, gleichfalls von Manuel Aparicio-Alonso, Carlos Dominguez-Sanchez (carlos.dominguez-cmj@hotmail.com) und Marina Banuet-Martinez 2021 auf OMICS International (Hyderabad, Indien) veröffentlicht.
OMICS (OMICS Group Inc., iMedPub LLC, Conference Series LLC, and Srinubabu Gedela) veröffentlichte Arbeiten verschiedner Einreicher als peer reviewed obwohl sie nur Review-Zeiten von wenigen Tagen statt, wie üblich, Monaten, auswiesen.
Die FTC verklagte OMICS und verurteilte sie am 29.03.2019 auf Zahlung von 50,1 Mio. USD.
Die Studie ist daher nicht peer reviewed und als Preprint zu werten.
Mechanismus-Hypothese
„Chlorine Dioxide in COVID-19: Hypothesis about the Possible Mechanism of Molecular Action in SARS-CoV-2“ wurde 2020 von Eduardo Insignares-Carrione*, Blanca Bolano Gómez and Andreas Ludwig Kalcker auf Hilaris Publisher (ähnlich OMICS – ein predatory publisher) herausgegeben.
Die Studie ist daher nicht peer reviewed und als Preprint zu werten.
Predatory Publisher
… geben sich als wissenschaftliche Fachverlage aus, führen aber keine Qualitätssicherunggsmaßnahmen aus. Gegen eine Publlikationsgebühr kann jeder einen Artikel veröffentlichen. Sie versprechen Veröffentlichungen in unrealistisch kurzen Fristen, veröffentlichen u.U. auch gefälschte oder minderwertige Inhalte inklusive fiktiver Herausgeber, Mail-Adressen, etc.. Es erfolgt entsprechend keine Aufnahme in DOAJ (Directory of Open Access Journals), Scopus (über 90 Mio. Datensätze) oder Web of Science.
Es gibt Portale, die Listen solcher betrügerisch agierender „Unternehmen“ führen, mittels derer die Echtheit eines Publishers überprüft werden kann.
OMICS
wurde vom Netz genommen aufgrund der FTC-Intervention.
Hilaris
„Autoren, die bereit sind, ihre Artikel in diesem Modus zu veröffentlichen, können eine Vorauszahlung in Höhe von 99 US-Dollar für eine Express-Begutachtung und eine redaktionelle Entscheidung leisten. Die erste redaktionelle Entscheidung erfolgt innerhalb von 3 Tagen und die endgültige Entscheidung mit Begutachtungskommentaren innerhalb von 5 Tagen nach Einreichung. Die Erstellung der Korrekturfahnen erfolgt innerhalb von 2 Tagen nach Annahme oder maximal 5 Tagen (für Manuskripte, die von externen Gutachtern zur Überarbeitung zurückgewiesen wurden).“
Zusammenfassung Kalcker
- Direkter Schüler von Jim Humble – Persönliche Zusammenarbeit dokumentiert
- Weiterentwickler von Humble’s MMS – CDS/CDL als „Verbesserung“
- Verlegt bei Jim Humble Verlag – Direktes Geschäftsverhältnis
- Teil desselben Netzwerks – Genesis II Church, COMUSAV, Mark Grenon
- Nutzer der selben Methoden – Unwissenschaftliche Studien, falsche Heilversprechen
- Gleiche Zielgruppe – Verzweifelte Kranke, Verschwörungstheoretiker, Alternativmedizin-Anhänger
- Gleiche Substanz – Chlordioxid (nur andere Herstellung)
- Gleiche Behauptungen – Heilt alles von Krebs bis COVID
… und seine „Verbesserungen“
- Wissenschaftlichere Fassade – COMUSAV statt „Kirche“
- Bessere Regulierungsvermeidung – Schweiz-Basis, keine US-Jurisdiktion
- Technische Optimierung – CDS weniger aggressiv als MMS
- Politische Lobbyarbeit – Gesetze in Bolivia, Honduras
Fazit
Andreas Kalcker ist nicht einfach ein „weiterer“ MMS-Promoter, sondern der direkte Nachfolger und Weiterentwickler von Jim Humble’s Arbeit.
Die Parallelen sind nicht zufällig – sie sind das Ergebnis einer dokumentierten Mentor-Schüler-Beziehung und einer bewussten Weiterentwicklung des Geschäftsmodells.
Während Jim Humble durch seine bizarren Behauptungen (Gott aus Andromeda) und die Genesis II Church an Glaubwürdigkeit verlor, hat Kalcker das Modell „professionalisiert“:
- Wissenschaftlichere Sprache
- Ärzte-Organisation statt „Kirche“
- Europäische Basis statt US-Verfolgung
- COVID-19 als neues Wunderheilungs-Ziel
Das Ergebnis ist dasselbe: Gefährliche Fehlinformationen über ein toxisches Bleichmittel, vermarktet als Heilmittel – nur mit besserem Marketing.
Anwendung
Wissenschaftlich anerkannte Anwendungen
Trinkwasser-Desinfektion
Peer-reviewed in PubMed Central, nicht jedoch in Medline (hlherer Standard)
Systematischer Review (2022): Out of the 33 included studies, 14 studies focused on the disinfectant efficacy of chlorine dioxide, 8 studies expounded on the safety and toxicity in humans and animals, and 15 studies discussed the impact, such as water treatment disinfection using chlorine dioxide.
Oberflächen-Desinfektion in Krankenhäusern
Nature Scientific Reports (2023): Antimicrobial effects of chlorine dioxide in a hospital setting
Peer-reviewed in Journal (Nature):
- Wirksam gegen Bakterien, Viren, Pilze
- Sichere Anwendung zur Flächendesinfektion
- Reduzierte nosokomiale Infektionen
Mundspülungen
Systematischer Review und Meta-Analyse (2021): Effects of Chlorine Dioxide on Oral Hygiene – A Systematic Review and Meta-analysis PubMed Central
Peer-reviewed, systematischer Review – Anwendung:
- Chlordioxid-haltige Mundspülungen
- Gegen Plaque und Gingivitis
- Konzentrationen: 0,1% (100 ppm)
- Nicht verschlucken!
Lebensmittel-Desinfektion
Efficacy Study (2017): Efficacy and Safety Evaluation of a Chlorine Dioxide Solution
Peer-reviewed in MDPI (Int. J. Environ. Res. Public Health)
- 98% antimikrobielle Aktivität
- Sichere Konzentrationen: 5-20 ppm
- Anwendung auf Obst, Gemüse, Oberflächen
Keine Evidenz für orale Anwendung
COVID-19 Systematischer Review (2021)
Peer-reviewed, PubMed-indexiert, erschienen in Revista Peruana de Medicina Experimental y Salud Publica (2021)
„… Neither published nor pre-print studies evaluating the use of chlorine dioxide or derivatives on SARS-CoV-2 infection were identified. The only finding was an unpublished observational study registry which has no results released yet …
… To date, there are no scientific evidence to uphold the use of chlorine dioxide or derivatives as preventive or therapeutic agents against COVID-19 …“
„… Es wurden weder veröffentlichte noch vorab gedruckte Studien gefunden, die die Verwendung von Chlordioxid oder Derivaten bei SARS-CoV-2-Infektionen untersuchen. Der einzige Fund war ein unveröffentlichtes Register für Beobachtungsstudien, dessen Ergebnisse noch nicht veröffentlicht wurden …
… Bis heute gibt es keine wissenschaftlichen Belege für die Verwendung von Chlordioxid oder Derivaten als Präventiv- oder Therapeutikum gegen COVID-19 …“
Toxikologische Studie
Kontrolliert doppelt verblindete Studie – Peer-reviewed, PubMed-indexiert, erschienen in Environmental Health Perspectives (1982)
„Controlled clinical evaluations of chlorine dioxide, chlorite and chlorate in man„
„.. Persons with a low level of glucose-6-phosphate dehydrogenase may be expected to be especially susceptible to oxidative stress; therefore, in Phase III, chlorite at a concentration of 5 mg/l. was administered daily for twelve consecutive weeks to a small group of potentially at-risk glucose-6-phosphate dehydrogenase-deficient subjects …
… The three phases of this controlled double-blind clinical evaluation of chlorine dioxide and its potential metabolites in human male volunteer subjects were completed uneventfully. There were no obvious undesirable clinical sequellae noted …“
„… Personen mit einem niedrigen Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Spiegel sind vermutlich besonders anfällig für oxidativen Stress. Daher wurde in Phase III einer kleinen Gruppe potenziell gefährdeter Probanden mit Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel zwölf Wochen lang täglich Chlorit in einer Konzentration von 5 mg/l verabreicht …
… Die drei Phasen dieser kontrollierten doppelblinden klinischen Bewertung von Chlordioxid und seinen potenziellen Metaboliten bei männlichen freiwilligen Probanden wurden ohne Zwischenfälle abgeschlossen. Es wurden keine offensichtlichen unerwünschten klinischen Folgeerscheinungen festgestellt …”
Sichere Konzentration: 5 mg/L (5 ppm) im Trinkwasser über 12 Wochen